140315SportsDomeHarburg Leif Bachorz, dynamischer Mittvierziger, männliche Glatze, drei Kinder, trainiert für Triathlon (schnellste Runde um die Außenalster in 32:10 Minuten), kommuniziert

fast ausschließlich im Verkäufer-Sprech. Sein Partner: Wilfried Lühmann, Endsechziger, ehemaliger kaufmännischer Direktor des AK Harburg und der Asklepios-Klinik , Typ Elder Statesman. Wer Bachorz’ Angebote verlockend findet, ihm aber dennoch keinen Gebrauchtwagen abkaufen würde, der vertraut eben Lühmann. Perfekte Partner. Sie nennen sich PB Sports Dome Management.

Ihr Auftritt im Stadtplanungsausschuss war viel versprechend. Auf ihr langen Suche nach einem Standort für ihr Projekt Sports Dome sind Bachorz und Lühmann nun in Harburg angelangt. Und zu dem, was sie da anpriesen, kann doch eigentlich keiner nein sagen. Oder? „Der Sports Dome wird einzigartig in Deutschland und der Welt“, jubelte Bachorz. Er habe einen „hohen Marketingwert“ für den Standort, ziehe Tagesgäste und Touristen an, passe zum Stadtteil und seinem Freizeitangebot, schaffe Arbeitsplätze, sei energieneutral und: „Er macht Spaß!“

Was macht den Sports Dome denn nun so einzigartig? Die Tatsache, dass es angeblich auf der ganzen Welt noch keinen dieser Art gibt? Oder dass er mit allen möglichen Trendsportarten vollgestopft werden soll – vom 15 Meter tiefen Tauchturm mit 2,8 Millionen Liter Wasser, über eine 15 Meter hohe Naturkletterwand, ein 12 Meter hohes Eisklettern, Iglu Survival, 9 Meter hohes „Bodyflying und eine 15 Meter hohe Highline mit Freefall bis hin zur 400 Meter langen Indoor-Quadbahn, einer 36 Meter hohen Außenkletterwand und einem 450 Meter langen Trailrunning Parcours? Bachorz: „Außerdem haben wir 100.000 Euro per anno für Veränderungen eingeplant, falls ein Trend mal nicht mehr angesagt ist.“

Das reicht noch nicht? Bachorz und Lühmann sind bereit, noch mehr draufzupacken – zum Beispiel Wassersport im Binnenhafen, einen Beachclub, vielfältige Gastronomie (dies sind alles die O-Töne) und sogar Wohnen. Was ihr wollt!

Bleibt nur noch die Frage: Wohin da mit? Baudezernent Jörg Penner, der Bachorz und Lühmann ermutigt hatte, es doch mal in Harburg zu versuchen, hat sich schon einmal umgesehen. Auf den ersten Blick kämen drei Flächen in Frage: zwischen Post am Bahnhof (wo gerade eine Zentrale Aufnahmestation für Flüchtlinge eingerichtet wird) und Stadtautobahn, an der hoffentlich irgendwann einmal verlegten Seevestraße im Bereich Hannoverschen Straße und auf jenem Gelände, das jetzt vom Neuländer Quarrée beansprucht wird.

Was das alles kosten würde, wissen die Planer noch nicht. Das hänge auch vom Standort ab, aber es könnten wohl 30 bis 40 Millionen Euro werden. Die Finanzierung scheint indes kein Problem zu sein. Lühmann: „Wir haben schon Gespräche auf höchster Ebene mit der Hamburger Sparkasse geführt.“

Die Reaktionen der Politik reichten von wohlwollend zurückhaltend bei der SPD bis hin zum „doch recht begeistert“ bei der CDU. Klaus Lübberstedt von der Linken schien alles nicht recht ernst zu nehmen. Er fand, mit dem Sports Dome könne man doch das Kohlekraftwerk Moorburg füllen, das „hoffentlich bald abgeschaltet wird“. ag