12031502NlQuHarburg – Ralf-Dieter Fischer war von Anfang an skeptisch. Nach der mittlerweile dritten Präsentation des 200-Millionen-Euro-Projekts „Neuländer Quarrée“

im Harburger Rathaus ist der CDU-Kreischef nicht mehr allein, jetzt steht seine ganze Bezirksfraktion hinter ihm. Einstimmig! „Wir lehnen dieses Projekt ab“, sagt Fischer. Und nicht nur das: Fischer erhebt auch schwere Vorwürfe gegen die P&S Gruppe, die an der Ecke Neuländer Straße/Hannoversche Straße unter anderem mehr als 100 Wohnungen, ein Hotel und einen Technologiepark errichten will: „ Die Öffentlichkeit ist getäuscht worden.“ Es sei immer behauptet worden, das Grundstück sei schon gekauft worden, und zwar ohne Rückgaberecht. Das sei nachweislich falsch. Fischer: „Bezahlt ist da noch gar nichts. Vielmehr muss P&S bis zum 30. September eine gesicherte Finanzierung nachweisen, sonst platzt der gesamte Deal.“  Deshalb drängten die Entwickler wohl auch so auf Eile, damit sie trotz vieler ungelöster Probleme wenigstens die Genehmigung für  den Wohnungsbau bekommen – um auf diese Weise wenigstens ein überzeugendes Argument für eine Bankbürgschaft zu bekommen.

Fischer hat ohnehin den Eindruck, dass es bisher für das gesamte Projekt keine seriöse Finanzierung gibt. „Da hat man uns von Überlegungen erzählt, für den Technologiepark einen Fonds anzubieten. Aber was könnte man den Anlegern schon bieten? Bisher sind noch keinerlei Gespräche mit Mietern für den Technologiepark geführt worden. So wird das nichts.“ Offenbar wolle die P&S-Gruppe möglichst wenig eigenes Geld in die Hand nehmen. Tatsächlich verraten Unterlagen, dass für das Projekt Mezzanine-Kapital gesucht wird. Das ist Risikokapital von Anlegern, das oft zur Erhöhung des Eigenkapitals genutzt wird, um bei Banken eine Finanzierung zu bekommen. Außerdem wird in den Unterlagen damit geworben, dass die Grundstücke separiert werden und dann einen Wert von angeblich über 20 Millionen Euro haben. Das wäre, inklusive aller Nebenkosten, laut Unterlagen eine Wertsteigerung von deutlich über 80 Prozent.

Der CDU-Chef gibt dem Neuländer Quarrée auch aus anderen Gründen nur noch wenig Chancen: „Man kann es biegen wie man will, aber diese Ecke Harburgs ist für Wohnungsbau viel zu laut. Vor allem den Eisenbahnlärm wird man nicht wegrechnen oder sonst wie eindämmen können. Nachts wird der Lärm auf jeden Fall mindestens fünf Dezibel über dem Grenzwert liegen, damit ist er gesundheitsgefährdend.“

Entgegen anderer Beteuerungen sei auch das Verhältnis zur benachbarten Chemiefirma Brenntag noch lange nicht geklärt. Weil dort Chlorgas umgefüllt wird, dürfen im Bannkreis der Firma weder Wohnungen gebaut werden, noch dürften sich in einem Hörsaal des Technologieparks größere Personengruppen aufhalten. Fischer: „Nach unseren Informationen stehen die Verhandlungen zwischen Bezirksamt und Brenntag auf der Kippe.“  ag

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