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Großen Saal des Harburger Rathauses weiterhin in den Startlöchern. Und die Bezirkspolitiker sind weiterhin spürbar skeptisch. Im ersten Stadtplanungsausschuss nach der Sommerpause sah man jedenfalls keine glänzenden Augen.

Die Idee klingt weiterhin verlockend: Auf dem 45.000 Quadratmeter großen Areal an der Ecke Neuländer Straße/Hannoversche Straße entsteht ein neues Stadtquartier mit mehr als 100 Wohnungen, Boardinghouse, Ladenzeile, Kita, Wasser und einem Technologiepark. Das östliche Eingangstor Harburgs zu City und Channel wäre nicht länger eine immer mehr zuwuchernde Brachfläche, sondern eine von Architekten gestaltete Kulisse.

Die Idee hat allerdings auch ein paar Haken, von denen sich mutige Investoren und kreative Baudezernenten und ihr erfahrenes Team nicht gleich abschrecken lassen müssen – zum Beispiel den Lärm. Der ist hier unüberhörbar. Der Baugrund liegt an der Quasi-Hafenquerspange, mit 24-Stunden-Lkw-Pendelverkehr zwischen A1 und A7. Daran wird sich in den kommenden zwei Jahrzehnten auch nichts ändern. Außerdem muss jeder Güterzug, jeder ICE, jeder Metronom, der nicht auf der eingleisigen Nebenstrecke bei Lauenburg die Elbe überquert, hier vorbei. Es gibt wahrhaft idyllischere Flecken in Harburg. Sie sollen aber mit preiswerten Mieten locken, rund zehn Euro pro Quadratmeter.

Der Lärm soll, so Thorsten Wiehe, Gesellschafter und Geschäftsführer der P&S Grundstücks und Vermögensverwaltungs GmbH, auf alle möglichen Weisen eingedämmt werden, zum Beispiel durch Flüsterasphalt („den wir bezahlen“) oder durch „Veränderungen am Gleisbett“ („Wir sind in Gesprächen mit der Bahn“). Da Investoren in der Regel immer schnell auf die Rendite schauen, sollen die Wohnungen zuerst gebaut werden. Das rief CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer  auf den Plan, von Anfang an ein großer Zweifler an diesem Projekt: „Womöglich läuft das so: Erst werden die Wohnungen gebaut. Und das war es dann.“ Was dagegen spricht: Die P&S soll das Grundstück ohne Rückgaberecht gekauft haben.

Die CDU war es auch, die per Antrag nach dem Planungsstand für das Neuländer Quarrée gefragt hatte. Immerhin sollte es eigentlich 2013 den ersten Spatenstich geben. Doch der kommt, wenn er denn kommt, frühestens ein Jahr später. Für Verzögerungen hatten unter anderem planungsrechtliche Probleme und auch die Nachbarschaft zum Chemiebetrieb Brenntag geführt.

Aber es gab auch andere Verwirrungen. So taucht Hans-Peter Werner von der Implan Projektentwicklungsgesellschaft mbH, der das Millionenprojekt vor eineinhalb Jahren im Rathaus vorgestellt hatte, überhaupt nicht mehr auf. Und Thorsten Wiehe firmiert unter gleicher Adresse und mit gleicher Telefonnummer auch als Geschäftsführer und Eigentümer der „Goldwert Gruppe“, von der in Harburg schon Prospekte für Termingeschäfte kursieren. Dafür gibt es sicher Erklärungen. Wiehe setzt indes weiter auf die Harburger „Innovations-Allianz“. Das betonte er mehrfach. Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses wünschte ihm dabei „viel Erfolg“. ag

Artikel: Neuländer Quarree in Harburg soll "weltweiter Leuchtturm" werden