121022HorchHarburg – Die Gerichtsentscheidung zu Elbvertiefung, die quasi einer Anordnung zum Baustopp gleicht, mochte Frank Horch bei der Veranstaltung „Senator vor Ort“ im Elbcampus, die vom SPD-Kreischef Frank Richter

moderiert wurde, nicht kritisieren. In Deutschland gebe es eben „komplizierte Genehmigungsverfahren“. Da hilft es auch nicht, wenn man in Sachen Elbvertiefung ein durch die beteiligten Behörden erstelltes „2400 Seiten starkes Meisterwerk“  vorgelegt habe. Deswegen, so ließ Horch durchblicken, wird es auch schwierig sein in Harburg schnelle Lösungen für die hohe Verkehrsbelastung zu realisieren.

Denn diese „komplizierten Verfahren“ betreffen auch die nötigen Verkehrsprojekte in Hamburgs Süden, wie die Hafenquerspange, die A26 oder Projekte zur Bahnanbindung, über die in den kommenden Jahren bis zu 400 Güterzüge rollen sollen, um die Waren zum oder aus dem Hafen zu bringen. Dabei sind solche Projekte bitter nötig.

„Der Hamburger Süden ist stark beansprucht“, sagte Horch zum Punkt Verkehr. Das seien „starke Herausforderungen“. „Das werden wir nicht von heute auf morgen regeln“, so Horch. Ein Problem: Im Bezirk Harburg gibt es keine Ringverkehre. Sternförmig führen die Strecken auf die Elbübergänge zu. Ein Umsteigen von Pendlern auf öffentliche Nahverkehrsmittel sei ebenfalls nur bedingt eine Lösung. Das liegt an der Kapazität der S3, der am besten frequentierten und damit in Spitzenzeiten überfüllten S-Bahnlinie. Die ist dann punktuell einfach an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen.

„Da kann man sich auf den Kopf stellen“, so Horch. Mehr gehe nicht. Einerseits ist die Hochbahn nicht gewillt neue Züge zu bestellen, wenn man sich einer EU weiten Ausschreibung mit letztlich unbekanntem Ausgang stellen muss. Andererseits wären auch bauliche Maßnahmen nötig. Die Umsetzung wird, so ließ Horch durchblicken, wird Jahre dauern.

Letztendlich sind die Verkehrsprobleme auch ein Zeichen der Attraktivität Hamburgs. Der Hafen ist einer der leistungsfähigsten der Welt. Hansaport in Waltershof, Spezialist für den Umschlag von Eisenerzen, ist auf dem Globus einer der beiden Top-Standorte. Bei der Attraktivität der Stadt hat Horch keine Sorge genug Fachkräfte in die Hansestadt holen zu können.

Nebenbei heimste Horch noch einen neuen „Titel“ ein. Er ist jetzt „alter Knecht der Wirtschaft“. So hatte ihn ein jüngerer Mann des Elbcampus am Eingang genannt, der offenbar dort eine Aus- oder Fortbildung genießt. Dazu hatte der noch den Zusatz: „Sie wollen wir hier gar nicht sehen“. Das stimmte nicht. Die gut 50 Zuhörer des Senators in dem gut besetzten Vortragsraum waren durchweg an seinen Ausführungen interessiert. zv