121012tuhh Eißendorf- In der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TU) ist einer der größten Bewegungssimulatoren der Welt installiert worden. Mit dem Gerät wollen die Forscher Untersuchungen anstellen, die Schiffe sicherer und

energieeffizienter machen sollen. Zum ersten mal kann das Verhalten großer Schiffe mit ihren an Bug und Heck flacheren Schiffsböden genauer vorhergesagt werden.

Die dabei gewonnenen Erkentnisse werden sowohl für den Entwurf bei den Werften als auch beim Manövrieren auf See eingesetzt. Erste Messungen mit dem Simulator wurden bereits durchgeführt. Im Fokus standen dabei Passagier- und Containerschiffe. Das Ergebnis: Bislang haben die Rümpfe der Frachter die falsche Form und verursachen sogenannte Rollbewegungen.

 

Professor Moustafa Abdel-Maksoud, Leiter des Instituts für Fluiddynamik und Schiffstheorie, erklärte: "Bei den Tests hat sich gezeigt, dass die bisher beim Bau von Schiffen verwendeten Koeffizienten, Ergebnisse lieferten, die dazu geführt haben, die Rollbewegung bei Schiffen zu unterschätzen." Besonders anfällig für Rollbewegungen, also starkes Wanken auf hoher See, zeigen sich schwerbeladene Containerschiffe.

Mit Hilfe des Bewegungssimulators können Rollbewegungen erstmals bezüglich ihrer strömungstechnischen Ursachen,  detaillierter untersucht und damit die Grundlagen für Computersimulationen verbessert werden. Dazu sagte der Experte: "Je größer sich ein Schiff um die Längsachse dreht, also "rollt", desto größer die Gefahr des Kenterns. Dies gefährdet Menschenleben, ganz abgesehen vom drohenden Verlust der Fracht bis hin zum Totalausfall des Schiffes."

Früher wurden Rümpfe von großen Schiffen im Wasserbecken, also bei ruhigem Wasserpegel, gestestet. Bei starken Wellenbewegungen auf hoher See lieferten die Tests ganz andere Ergebnisse. Mit dem neuen Simulator können die Forscher nun ganz gezielt am Rumpf ein charaktersistisches Strömungsfeld erzeugen und so realistische Wellenbewegungen nachahmen. Das fast sechs Meter lange Rumpfmodell hängt an acht dünnen Seilen. Diese Seile sind jeweils an von kleinen Elektromotoren bewegten Schlitten befestigt. Genau diese erzeugen die Wellenbewegungen. Im Innern des Modells sind bis zu 48 Messkanäle untergebracht, die in der Lage sind, die Strömungen am Rumpf präzise messen zu können.

Der Bewegungssimulator der TU wurde im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium mit knapp einer Million Euro finanzierten Forschungsvorhabens entwickelt. Bei der Eröffnung des High-Tech-Gerätes sagte Dr. Dorothee Stapelfeldt (SPD), Senatorin für Wissenschaft und Forschung: "Hamburg und die Metropolregion haben eine lange Tradition und besondere Expertise in der maritimen Wirtschaft. Kluge Wissenschaft ist Vorraussetzung für eine starke Wirtschaft. Erstklassige Forschung braucht hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber eben auch gute Infratsruktur." (pw)