120518WindradNeuland - Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf! Das gilt offenbar nicht nur bei Autos, sondern auch bei gebrauchten Windkraftanlagen. „Naturstrom“, einer der größten unabhängigen Anbieter von Strom und Gas aus erneuerbaren

Energien, hatte erst vor wenigen Monaten dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall den Windpark Neuland abgekauft. Und jetzt ist genau das passiert, was eigentlich nicht passieren darf: Eines der Windräder an der A1 ist defekt und kann für längere Zeit keinen Strom mehr erzeugen.

 

Was bei einem Auto ein kapitaler Motorschaden wäre, ist bei einem Windrad ein defekter Königszapfen – also jene Achse, auf der ganz oben eine Kugel befestigt ist. Auf dieser Kugel ruhen Turmspitze samt Rotor, die sich auf diese Weise in den Wind stellen und auch ihre Neigung verändern können. Dass es sich um einen Schaden am Königszapfen handelt, bestätigte jetzt Naturstrom-Sprecher Dr. Tim Loppe auf Anfrage von harburg-aktuell.

Fatal an der Geschichte: Vattenfall wusste, dass es Probleme mit dem Königszapfen gibt. Schon vor fünf Jahren hatte es an der südlichsten Anlage des Windparks Neuland den gleichen Schaden gegeben. Zum Ärger der privaten Anteilseigner – unter ihnen auch ein in Harburg tätiger Unternehmer – konnte die Anlage keinen Strom erzeugen, die Investoren mussten monatelang auf Einnahmen verzichten.

Ein Schildbürgerstreich hatte damals für weitere Verzögerungen und Einnahmeverluste gesorgt: Das Bezirksamt hatte nach dem Bau des Windparks einen Lärmschutzwall aufgeschüttet, der nun plötzlich dem riesigen Mobilkran für die Reparatur im Wege stand. Gerrald Boekhoff vom Bezirksamt Harburg beteuerte damals: „Wir haben uns bei der Planung des Walls an die Vorgaben des Vattenfall-Vorgängers HEW gehalten.“ Trotzdem reichte der Platz für den Mobilkran nicht aus und musste erst geschaffen werden.

Gibt es die Probleme jetzt auch? „Wir prüfen das gerade“, sagt Tim Loppe.  Er betont aber, dass die damaligen Anteilseigner von dem erneuten Ausfall der Anlage keine Nachteile mehr haben: „Wir haben ihnen die Anteile abgekauft.“ Selbstverständlich werde Naturstrom auch weiterhin die Pacht für das Grundstück zahlen. Die Stadt Hamburg als Eigentümerin habe wegen des Schadens also keine Nachteile.

Wann die Anlage wieder Strom erzeugen kann, lasse sich noch nicht abschätzen. mz