120330WeberHelgoland - Er wohnt in Harburg, aber Helgoland ist die zweite Heimat von Arne Weber. Dort hat der Chef von HC Hagemann nicht nur viele Aufträge zu erledigen. Er ist auch Hotel-Chef. Jetzt hat Weber mit seinem atoll

ozean ressort, das er gern mal launig als sein "teuerstes Hobby" bezeichnete, einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Es ist die Wind MW GmbH, die 23 Kilometer nördlich der Insel ab September einen Offshore Windpark in die Nordsee setzt.

Sie hat das komplette Hotel gemietet. Und das für zehn, ja wirklich, zehn Jahre. "Wir freuen uns, die Leistungen und Angebote des Hotel atoll in Anspruch nehmen zu können, um unseren Gästen und Mitarbeitern die bestmöglichen Unterkunftsmöglichkeiten der Insel zu bieten", sagt Jens Assenheuer, Geschäftsführer der WindMW GmbH. "Es war es entscheidend, einen verlässlichen und erfahrenen Partner zu finden, der gleichzeitig die Möglichkeiten für Unterbringung, Tagungen und Ausstellungen in einem besonderen Ambiente bietet." Weber bringt es auf den Punkt: "Ein Glücksfall für uns."

Bemerkenswert: Erst letzten Juni hatten ihm die Inselbewohner einen Korb gegeben, als er die Insel durch einen spektakulären Plan vergrößern wollte. Landgewinnung sollte die Fläche verdoppeln und die Hauptinsel und die Düne wieder verbinden. Das hätte die Insel zukunftsfähig gemacht. Denn in den letzten Jahren hatten sich immer weniger Tagesgäste auf dem in Anlehnung an billig zu kaufenden Schnaps "Fuselfelsen" genannte Insel blicken lassen. Dazu trugen auch die miesen Angebote bei, wie schrullige Unterkünfte oder schlechte Restaurants und die augenquälende Architektur, die dummerweise unter Denkmalschutz gestellt wurde, weil es nirgends sonst in Deutschland einen solchen Schrott in der Größe noch gibt.

Das atoll ist da ein echtes Gegenstück. 1999 bei der Eröffnung erregte es weit über Deutschlands Grenzen hinaus Aufsehen wegen der Architektur. In dem Punkt ist es eine runde Sache. Ecken und Kanten sucht man in dem Hotel meist vergebens. 2000 bekam es den Design-Award für das beste europäisches Innen-, Bad- und Zimmer-Design. Weitere Auszeichnungen folgten.

 

So ahnt auch Insel-Bürgermeister Jörg Singer, dass in Sachen Tourist eine echte Perle flöten geht. „Für unseren Tourismus ist das eine kalte Dusche, denn das Atoll hat höchste Maßstäbe auf Helgoland gesetzt", stellt er fest. Tatsächlich läutet der Langzeitmietvertrag, von dem Weber glaubt, dass er nach zehn Jahren verlängert wird, eine neue Ära auf der Insel ein. Fusel-Touris war gestern. Offshore-Menschen sind die Zukunft. Denn neben der Wind MW GmbH werden zwei weitere Betreiber von Offshoren Windanlagen die Insel als Stützpunkt nutzen. Im Südhafen sollen dafür drei riesige Hallen mit jeweils 2.000 Quadratmeter Fläche entstehen. Ein neuer Hubschrauberlandeplatz ist geplant. Firmeneigene Versorgungsschiffe werden im Hafen liegen. Es sind nicht nur Arbeiter die kommen werden. Geschäftspartner und Gäste der Firmen sollen auch auf die Insel kommen.


Wie viel Power hinter den Unternehmen steckt zeigen die Pläne. Allein die Wind MW GmbH will rund 1,2 Milliarden Euro für den Windpark bei Helgoland investieren. Ende 2013 sollen die dann 80 Windkraftanlagen der 3,6 Megawatt-Klasse sich drehen und 288 Megawatt ins Stromnetz speisen. Damit kann man dann 360.000 Haushalte versorgen.
Zurück zum atoll. Normalsterbliche Gäste werden es vermutlich auf Jahrzehnte nicht buchen können. Die letzte Chance ist diese Saison. zv