110808öko Harburg - Direkt vor dem Neubau der Technischen Universität (TUHH) steht eine zwei Meter hohe, in grau gehaltene Säule. Was auf den ersten Blick wie ein Parkscheinautomat wirkt, ist weitaus mehr. Hinter dem Gerät verbirgt sich eine sogenannte

Green eMobility-Station, eine Stromtankstelle für Elektroautos. Mit dem vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Projekt hat der Strom-Riese Vattenfall inzwischen 25 solcher Ladestationen errichtet und startet damit eine Öko-Offensive.

Der Strom der aus der "Buchse" kommt, stammt aus erneuerbaren Energien und soll laut Vattenfall zu einer sauberen Zukunft und Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen beitragen. Die europaweit installierten Windkraftanlagen produzieren einen erheblichen Überschuss, der nach Ansicht des Stromkonzerns sehr gut in Elektroautos verwendet werden kann. Das Prinzip funktioniert wie folgt: Der Kunde fährt mit seinem Fahrzeug an die mit zwei Ladepunkten ausgestatte "Tankstation" und identifiziert sich mit einer Nutzerkarte. Damit erhält man Zugriff auf die Steckdose und kann die Batterie seines Fahrzeuges wieder aufladen. Die entnommene Strommenge wird vom jeweiligen Anbieter in Rechnung gestellt. Neben der Station von Vattenfall an der Schwarzenbergstraße stehen auch noch zwei Ladestationen am Sand und hinter Karstadt in der Innenstadt. Sie gehören zum Energieversorgungsunternehmen Hamburg Energie.

Begeistert von dem Pilotprojekt ist Thomas Völsch, Bürgerschaftsabgordneter aus Süderelbe. Er sagt: "Ich bin ein großer Fan von alternativen Technologien, insbesondere im Verkehr." Nachdem der Stadtteil beim Car-Sharing "Car2go" und dem Stadtrad in die Röhre schauen musste, freut sich der Politiker, dass Harburg beim Projekt mit einbezogen wurde: "Wir sind mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg Technologie-Standort, allein deshalb passt das Pilot-Projekt hier sehr gut."

Während Völsch dem Stromkonzern vertraut, indem er sagt, "da steckt schon ein Konzept hinter", vertritt Ronald Preuß einen eher kritischen Standpunkt. Der Vorsitzende der GAL-Fraktion meint: "Ich bin der Meinung, dass Vattenfall mit dem Projekt, seiner Unternehmenspolitik einen grünen Anstrich verleihen möchte. Denn Vattenfall bezieht seinen Strom aus Atom-Energie, im Gegensatz zu Hamburg Energie." Insgesamt aber findet der GAL-Politiker den Weg in eine saubere Zukunft gut. "Entscheidend ist nur, dass der Strom aus erneuerbaren Energien stammt und dafür nicht extra Atomkraftwerke betrieben werden müssen. Außerdem müssen die Projekte staatlich mehr gefördert werden, da wird die Bundesregierung gefragt sein."

Nach Angaben von hysolutions, einer Gesellschaft die Verwendung von Wasserstoff und Brennstoffzellen fördert, rollen derzeit rund 133 Elektroautos auf Hamburgs Straßen. Ein Großteil davon ist allerdings der gewerblichen Nutzung zuzuordnen. Einige von ihnen besitzt Peter Meyer, Geschäftsführer vom Logistikunternehmen City-Express aus Rothenburgsort. Der 50-Jährige Unternehmer hat in seinem Fuhrpark von insgesamt 180 Fahrzeugen, 4 Elektroautos und 6 Elektro-Roller. Damit nimmt er in der Logistikbranche, mit Ausnahme der großen Unternehmen wie die Hamburg Port Authority (HPA), eine Vorreiterrolle ein. Genau das möchte er aber auch: "Wir wollten jetzt damit anfangen und nicht erst in ein paar Jahren. Damit wollen wir auch zeigen, dass es geht."

Seine Fahrzeuge, etwas kleiner als ein VW-Transporter, sind allesamt Importe aus China. "Noch sind die Fahrzeuge aus Deutschland zu teuer. Sie kosten doppelt oder sogar dreimal so viel." Den rauhen Logistik- und Kurieralltag haben die Elektrofahrzeuge dennoch bestanden. Die Transporter sind jeweils mit zwölf 12-Volt-Blei-Gel Batterien ausgestattet, die den Elektromotor mit Energie versorgen. Damit stehen dem Fahrer rund 11 PS zur Verfügung, mit der er je nach Ladung auf rund 80 km/h kommt. "Die Transporter haben im Durchschnitt eine Reichweite von 80 Kilometern, die Roller schaffen bis zu 90 Kilometer", so Meyer. Aufladen kann er seine Elektromobile vor Ort: "In der Regel machen wir das nachts, weil wir dann nicht fahren. Das Aufladen dauert zwischen 8 und 9 Stunden." Das Unternehmen besitzt eine Schuko-Steckdose, die einzige Besonderheit ist eine Sicherung, die auf 16 Ampere ausgelegt ist.

Laut Meyer hat sich die Anschaffung bewährt, auch er glaubt, dass Elektro-Mobilität weiter in den Fokus rücken wird. "Wir haben von unseren Kunden bisher nur positives gehört, inzwischen wird bei der Bestellung sogar die Anlieferung mit einem Elektro-Fahrzeug verlangt." Doch nicht nur die Kunden freuen sich, auch in den Ausgaben lernt das Unternehmen die Vorzüge der Elektro-Mobilität zu schätzen. Meyer erklärt: "Natürlich muss man so etwas langfristig betrachten. Auch wenn es sich um Ökostrom handelt, gemessen am normalen PKW sind die Kosten niedriger." Rund 3,50 Euro kostet das E-Fahrzeug auf 100 Kilometern, "bei den Benzinpreisen würde ich beim Verbrennungsmotor zwischen 10,00 Euro und 12,00 Euro zahlen", rechnet der Unternehmer vor. Ähnlich sieht es Jana Weinberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU Harburg am Institut für und Energiewirtschaft: "Langfrsitig lohnt sich das Elektroauto wahrscheinlich. Denn die Benzinpreise sind im Vergleich zu den Strompreisen viel höher. Auch wenn die Strompreise in Zukunft etwas ansteigen werden, weil sie aus erneuerbaren Energien stammen." Ein Problem sieht Weinberg, die derzeit an ihrer Doktorarbeit schreibt, an den Kosten für Elektroautos und dem Gewicht: "Noch sind die Autos zu teuer und die Batterien zu schwer, aber das wird immer besser."

Vattenfall hofft natürlich mit der Ausweitung der Ladeinfrastruktur, neue Kunden anuzwerben und für die Elektro-Mobilität zu begeistern. Genaue Zahlen kann der Strom-Konzern jedoch noch nicht bieten, da erst rund die Hälfte der Aufladestationen installiert sind. "Um zu sagen, wie oft die jeweiligen Station genutzt wurde und ob sich das Projekt bewährt, ist es noch zu früh", so Stefan Kleimeier, Pressesprecher von Vattenfall Hamburg. Die Green eMobility-Stationen in Harburg, dienen nur zum schnellen aufladen. Dazu sagt Kleimeier: "Die Ladestation sind nur zum kurzen Nachladen gedacht. Da werden keine Autos 8 Stunden angeschlossen sein. Das machen die Kunden zuhause." (pw)