110728LufthansaHarburg/Frankfurt- Das ist eine Weltneuheit. Fliegen und das auch noch sauber und (fast) ohne Umweltverschmutzung. An der "grünen Zukunft" arbeitet die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) in einem Pilotprojekt

in Kooperation mit der Lufthansa. Seit gut zwei Wochen fliegt im Rahmen des Projekts "burnFair" ein Lufthansa Airbus des Typs A321 zwischen der Strecke Hamburg und Frankfurt.

Die Besonderheit: Eines der beiden Triebwerke wird zu 50 Prozent mit bio-syntehtischem Kerosin betrieben. Lufthansa begeht mit dem Projekt, dass sechs Monate im normalen Flugbetrieb gestest wird, bisher ungewohntes Terrain. Doch glaubt man den Berechnungen, so soll das alternative Bio-Kerosin allein in der Probezeit 1.500 Tonnen an Co2 einsparen.

Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG in Berlin, kündigte an: "Lufthansa wird damit weltweit die erste Airline, die im Rahmen eines Langzeitprojekts Biokraftstoff im Flugbetrieb einsetzt." Wesentlichen Anteil an dem Projekt hat das Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der TUHH um Prof. Dr. Martin Kaltschmitt. Die Aufgabe des Forschungsteams besteht darin, die Klimaeffekte, die Ökobilanz sowie die Nachhaltigkeitseffekte zu analysieren und zu bewerten. Das Projekt, mit einem Gesamtvolumen von 6,6 Millionen Euro, wird von der Lufthansa und mit 2,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit dem Luftfahrtforschungsprogramm (LUFO) finanziert.

Für die TUHH ist die Kooperation eine tolle Sache,  so kann das Team um Kaltschmitt an alternativen Kraftstoffen forschen und so zur Optimierung des Klimaschutzes beitragen. Das eingesetzte Bio-Kerosin wird auf der Basis reiner Biomasse gewonnen und besteht aus Jatropha, Camelina und tierischen Fetten. Kaltschmitt glaubt, "dass Biokraftstoffe einen Beitrag zu einer besseren Umwelt leisten können." Allerdings meint er, dass die Probleme nur mit einer Vielzahl von unterschiedlicher Ansätzen gelöst werden können.

Das das Projekt nicht völlig unumstritten ist weis er. So kritisieren unter anderem Umweltorganisationen, dass für den Anbau der Energiepflanzen, zahlreiche Waldflächen abgeholzt werden müssen. Dazu sagt der Ingenieur: "Das im Großversuch eingesetzte Biokerosin steht weder in Konkurrenz zu Grundnahrungsmitteln, noch musste dafür Regenwald abgeholzt werden. Dort wo der Biotreibstoff angebaut wird, wurde vorher Tabak angebaut." Ebenfalls unzureichend findet er die Kritik, die Energiepflanze würde den Anbau von Nahrungsmitteln verhindern und zu Hungersnöten beitragen. "Der Vorwurf, mit dem Anbau würde man Nahrungsmittelproduktion verhindern ist klassisch. Aber das greift meiner Meinung nach zu kurz, da durch den Energiepflanzenanbau auch eine Nahrungsmittelproduktion gefördert werden kann."

Das Öl, welches zurzeit zwischen Hamburg und Frankfurt getestet wird, stammt vom Hersteller Neste Oil, ein Produzent aus Finnland, der laut Lufthansa langjährige Erfahrung mit Biokraftsoffen besitzt. Kleinschmitt hat bereits einige Plantagen begutachtet, um einen eigenen Eindruck zu gewinnen. "Ich war in Mosambik, Indonesien und Brasilien." Die nächste Forschungsreise steht im September an, dann heißt das Ziel Thailand. Der 50-Jährige glaubt mit dem Projekt einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Erste Ergebnisse erwartet er frühestens Ende des Jahres. (pw)

Hier weitere Informationen der TUHH zu dem Projekt :

http://intranet.tu-harburg.de/aktuell/pressemittelung_einzeln.php3?id=7710