101103ruolfehrenthal Binnenhafen - Historische Schiffe gehören seit je her zu Hamburg. Die "Cap San Diego" oder "Rickmers Rickmers" sind das Herzstück des Hamburger Hafens und sorgen für maritimes Flair. Doch jetzt geht es um die pure Existenz dieser Schiffe

, denn sie drohen dem Sparhammer zum Opfer zu fallen.

Der Bund will die Finanzierung von sogenannten Ein-Euro Jobs deutlich kürzen. Rund ein Drittel der 390 Ein- Euro Jobs würden wegbrechen.  Sollten diese Pläne in die Realität umgesetzt werden, droht dem gemeinnützigem Verein, "Jugend in Arbeit e. V.", der bisher viele historische Schiffe restauriert und repariert hat, der Bankrott.

Denn die Werft am Lotsestieg im Harburger Binnenhafen darf die 390 von der Arbeitsvermittlung zugewiesenen Mitarbeiter nicht unterschreiten."Nur mit diesen 390 Ein- Euro Jobbern können wir überleben und unsere Kosten decken. Ansonsten fehlt das Geld und das Personal", so Geschäftsführer Rudolf Ehrenthal. Doch mit den Kürzungen vom Bund, würde die Mindestanzahl von 390 Mitarbeitern wohl unerreicht. Eine Zwickmühle, dass weiss auch Ehrenthal. "Wir können dagegen nichts machen, außer hoffen, dass die Politik einlenkt."

In der Werft in Harburg arbeiten rund 200 Mitarbeiter, darunter 30 Arbeitslose und 60 Behinderte.  Zwei Dutzend Jugendliche werden auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Außerdem können die Jugendlichen dort eine Ausbildung zum Bootsbauer, Elektriker oder Tischler abschließen.

Die Werft im Binnenhafen hat sich seit der Gründung 1983 auf die Restauration alter Schiffe spezialisiert. "Betreibervereine beauftragen uns und wir bringen die Schiffe dann wieder auf Vordermann." Aktuell ist aus dem Museumshafen Ovelgönne der Dampfbetriebende Schlepper "Claus d" zu Gast, bald tritt der kleine Bruder "Tiger" die Reise nach Harburg an.

Stolz steht Ehrenthal am Steg, zeigt mit dem Finger auf das Hafenareal und sagt: "Über Auftragsmangel können wir uns nicht beklagen, es gibt genug zu tun." Die vielen kleinen und großen Schiffe sind auch im Harburger Hafen eine echte Attraktion und füllen den ganzen Binnenbereich mit Leben. Das wussten im Sommer auch die vielen Gäste im Beachclub zu schätzen. Ein Drink schlürfen, die Beine baumeln lassen, während sich zwischen alten Masten und Segeln die Sonne am Horizont verabschiedet. Solche Abende könnten bald der Vergangenheit angehören.

Neben Harburg gibt es weitere Werkstätten von "Jugend in Arbeit". So zum Beispiel an der Überseebrücke in Hamburg. Hier kümmern sich 60 Arbeiter um die ganz "dicken Fische", wie die San Diego und die Rickmers. "Erst vor kurzem haben wir dort den Motor und die Elektrik der San Diego instandgesetzt. Und der Kran auf dem Vorschiff musste auch repariert werden. Die Betreiber der Schiffe stellen die Materialien, die für die fälligen Arbeiten nötig sind, zur Verfügung."

Hamburger Admiralität hat zum Beispiel die San Diego in Obhut. Der größte Partner von Jugend in Arbeit ist die Stiftung Hamburg Maritim, mit bekannten und klangvollen Traditionsfrachtern wie den "Lotseschoner No 5 Elbe" oder der "MS Bleichen". Doch die Betreiber können die Bestandserhaltung der Schiffe ohne Jugend in Arbeit auf Dauer nicht gewährleisten, heisst es in einer Erklärung zum Erhalt maritimen Erbes. Heisst die Stiftungen sind auf die verlässlichen und günstigen Reparaturarbeitern von Jugend in Arbeit angewiesen. Das weiss auch Ehrenthal: "Das ist natürlich eine Kostenfrage. Große Werften sind den Stiftungen und Betreibervereinen zu teuer."

Eines jedenfalls ist Fakt: hält die Politik an den Planungen fest, muss Jugend in Arbeit im Frühjahr 2011 schließen. Dann könnten auch die Betreibervereine heftig in Seenot geraten. Es droht ein Sturm mit bitterem Ende. Hamburg ohne seine historischen Schiffe, ein unvorstellbares Szenario. (pw)

Hier weitere informationen über Jugend in Arbeit und die Stiftung Hamburg Maritim :

http://www.jia-hh.de/

http://www.stiftung-hamburg-maritim.de/