090714Wald1Harburg - 510 Hektar ist das Reich von Revierförster Bernd Schulze groß. Es erstreckt sich vom Vahrenwinkelweg über die Autobahn hinweg bis an die Landesgrenze. Was kaum einer weiß: Dort gibt es sogar wieder Urwälder.

Acht Hektar Wald sind aus der Bewirtschaftung herausgenommen worden. Seit Jahrzehnten, genau gesagt seit Ende des Zweiten Weltkriegs, wächst der Wald dort so, wie vor Jahrtausenden. Herausgekommen sind Buchenwälder mit dichtem Blätterdach bei denen am Boden "wenig los ist", wie es Schulze formuliert. Nur dort, wo eine der Riesen abgestorben und umgestürzt ist, entstehen kleine grüne Oasen. In und an den morschen Stämmen leben Tiere und wuchern Pilze. In dem Umkreis, in dem die Sonne wieder den Boden erreicht, wachsen kleine Bäume um die Wette. Auch in anderen Bereichen darf der Wald wieder Wald bleiben. Nur hin und wieder greifen die Förster ein. Denn sonst würde die Deutsche Eiche keine Chance im Wald haben. Buchen sind eine so dominante Baumart, dass sie alle anderen Bäume verdrängen.

Monokulturen, die lange als besonders ergiebig für die Holzwirtschaft galten, sind aber passé. Schulze und sein Kollege Gido Hollmichel, Revierförster in Hausbruch, suchen nur einzelne Bäume heraus, die gefällt werden. So sieht der Wald auch im bewirtschafteten Teil wie ein richtiger Wald aus. Das hat momentan einen weiteren Vorteil. Die Holzpreise sind im Keller. Bei dem Waldbewirtschaftungskonzept können das die Revierförster einfach aussitzen.

Gehofft wird dafür auf mehr Besucher. Denn der Wald in Harburg hat einiges zu bieten. Er ist nicht nur von urwüchsiger Erscheinung. Die Eiszeit hat auch die Harburger Berge erschaffen, auf denen der Wald steht. Wandern ist hier nicht nur schön, es ist auch erwünscht. "Wir wollen ihn nicht zu einem Refugium machen, dass nicht vom Mensch betreten werden darf", sagt Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg. Ganz im Gegenteil. Das Waldgebiet soll besser als Naherholungsgebiet angenommen werden. Die Revierförster sollen dafür sorgen, dass der Wald dabei erhalten bleibt.

Für Besucher hat das Gebiet noch einige Überraschungen parat. So findet sich westlich vom Eißendorfer Waldweg eine mächtige Douglasie, deren Stamm mit seiner dicken Rinde gigantisch wirkt. Diese eigentlich in Nordamerika beheimatete Baumart wurde vor etwa 135 Jahren gepflanzt. 55 Meter war der Baum einmal hoch bis 1990 die Spitze bei einem Sturm abbrach. Jetzt ist der Baum mit seinen 25 Metern immer noch ein Riese. (zv)

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