Harburg – Noch hat er nicht den totalen Überblick, noch kann er einige Fragen nicht beantworten. Dennoch konnte Tobias Bergmann, der neue

Präses der Handelskammer, bei seinem ersten öffentlichen Auftritt außerhalb von Kammergremien und Pressekonferenzen bei der Monatsveranstaltung des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden im Privathotel Lindtner einige Geheimnisse der künftigen Kammerarbeit lüften.

Während Bergmann im Wahlkampf für das Handelskammer-Plenum noch plakativ eine Abschaffung der „Zwangsbeiträge“ gefordert hatte, wurde er jetzt konkreter. Er kündigte an, dass es künftig zwei Arten von Mitgliedschaften geben werde: eine beitragsfreie Basismitgliedschaft sowie eine Premium-Mitgliedschaft für Unternehmen, die freiwillig mithelfen, die Kammerarbeit zu finanzieren. Bergmann: „Es kann keine Handelskammer ohne Beiträge geben.“ Ob die Mindereinnahmen nach Abschaffung des Pflichtbeitrags durch eine drastische Erhöhung der Gebühren für individuelle Leistungen der Kammer ausgeglichen werden, ließ Bergmann offen.

 Bei der Wahl des Kammerplenums zu Beginn des Jahres hatte Bergmanns Gruppe „Die Kammer sind Wir!“ 55 der 58 Sitze errungen. „Dieser große Erfolg hat neue Probleme gebracht“, sagte Bergmann. Es müsse sichergestellt werden, dass die gesamte Hamburger Wirtschaft im Plenum gespiegelt wird. Und es sei ein großer Verlust, dass zum Beispiel ein so wichtiges Unternehmen wie Airbus nicht mehr vertreten sei.

Auch die Harburger Wirtschaft sei nicht ausreichend vertreten. Von 160.000 Unternehmen in ganz Hamburg seien rund 10.000 in Harburg angesiedelt. Da die Beteiligung bei den Kammerwahlen in Harburg unter dem Hamburger Durchschnitt lag, seien  nur zwei Vertreter Harburgs ins Plenum gewählt worden. Bergmann: „Wir sind in Harburg zu wenig verankert.“ Er kündigte an, eine der nächsten Sitzungen des Plenums in Harburg abzuhalten.

Die Mitglieder des Wirtschaftsvereins äußerten sich zunächst verhalten positiv. Einige lobten zwar Bergmann für seinen Mut, verkrustete Strukturen aufzubrechen und dankten ihm für den frischen Wind in der Handelskammer, andere wie Airbus-Standortleiter Georg Mecke kritisierten, dass Bergmann offenbar immer noch im Wahlkampfmodus sei und die Gräben weiter vertiefe. Mecke störte vor allem die Aussage Bergmanns, er wolle jetzt die Mitarbeiter des Kammer-Hauptamts motivieren, um die Reform zu einem Erfolg werden zu lassen. „Ich habe das Hauptamt immer sehr energiegeladen erlebt“, sagte Mecke. „Es hat viele Impulse gesetzt.“

Wie geht es weiter? Wirtschaftsvereins-Vorsitzender Jochen Winand wollte wissen, ob der Reformprozess eine Hamburgensie bleibe oder ob Bergmann  seine Ideen jetzt auch in anderen Kammern der Republik umsetzen wolle. „Ich trage die Fackel nicht weiter“, antwortete Bergmann, er hoffe aber auf eine Signalwirkung.

Das Fazit des Abends zog Wirtschaftsvereins-Vorstand Arnold G. Mergell: „Es war spannend, den Visionen von einer modernen Handelskammer zuzuhören. Es ist aber auch deutlich geworden, dass noch tiefe Wunden zu heilen sind.“ ag