150912GsandWilhelmsburg - Gute Nachrichten aus dem Krankenhaus Groß-Sand. „Alle 15 Schülerinnen und Schüler haben ihr Examen bestanden", freut sich Mirjam Mikoleit,

Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Drei der Wilhelmsburger Absolventen gehören mit ihren hervorragenden Noten sogar Hamburg weit zu den besten – und bleiben Groß-Sand auch in Zukunft erhalten.

Nachwuchs in der professionellen Pflege: Warum der so dringend benötigt wird, zeigt sich beim Blick auf aktuelle Zahlen. 30.000 – etwa so hoch wird der Pflegekräftemangel in Deutschland schon heute beziffert. In zehn Jahren geht man von 150.000 unbesetzten Pflegestellen aus.

Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen der Pflegeschule am Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand, 15 frisch gebackene examinierte Pflegekräfte ins Berufsleben zu entlassen. Doch auch hier spürt man: Junge Menschen für die Pflege zu begeistern ist kein leichtes Unterfangen. Der Beruf scheint wenig attraktiv. „Ich glaube, die meisten Menschen sind einfach nicht genügend informiert. Wenn man mehr über unsere Aufgaben wüsste, wäre das Image der Pflege sicher besser“, sagt Lena Beyer, die mit ihrem Einser-Durchschnitt sogar zu den besten der ganzen Stadt zählt.

Auch Mirko Freitag und Anna Chernoruk gehören Hamburg weit zu den Jahrgangsbesten. Beide wünschen sich, dass mehr über den Beruf informiert wird: „Pflege bedeutet viel mehr als Patienten zu waschen oder sie auf die Toilette zu begleiten“, sagt Mirko Freitag. So werde den Auszubildenden auch ein umfangreiches medizinisches Fachwissen vermittelt – Voraussetzung für den Umgang mit den unterschiedlichen Krankheitsbildern. Lena Beyer betont den sozialen Aspekt. „Man bekommt so viel von den Patienten zurück und merkt, dass wirklich sinnvoll ist, was man tut. Ein gutes Gefühl.“

So richtig aufatmen konnten die 15 Examinierten erst im Moment der Zeugnisübergabe – noch bis kurz vorher liefen die Prüfungen. Doch auch wenn zuletzt vor allem Bücher gewälzt wurden, haben die jungen Frauen und Männer in den drei Jahren viel praktische Erfahrung gesammelt. Die Ausbildung ist in Praxis- und Theorie-Blöcke aufgeteilt. Der praktische Part findet schwerpunktmäßig in Groß-Sand und in im Krankenhaus Mariahilf in Heimfeld statt, der theoretische Unterricht erfolgt für alle Auszubildenden in Wilhelmsburg.

Mirko Freitag ist von der Aufteilung überzeugt: „Dinge, die man nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis kennenlernt, vergisst man nicht mehr!“ Ein weiterer Grund warum sich der 35-Jährige doch noch für die Pflege-Ausbildung entschieden hat, sind die guten Berufsaussichten. So haben zwölf der 15 Absolventen bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Für einige ist die Ausbildung auch erst der Anfang, eine Weiterbildung oder ein Studium sollen folgen. „Aber ich behalte meinen blauen Dress gleich an“, lacht Mirko Freitag, der in der Wilhelmsburger Notaufnahme übernommen wurde. Auch Lena Beyer, Anna Chernoruk und ihre Mitschülerinnen Dilek Durmuskaya und Lisa Radetzky bleiben der Klinik weiterhin erhalten. dl

Veröffentlicht 12. September 2015