KlappbrueckewestlBahnhofskanalHarburg – Ein Hauch von Fitzcarraldo im Stadtplanungsausschuss! Ob die SPD-Abgeordnete Dagmar Overbeck an den spektakulären Film von Werner Herzog gedacht

hatte, in dem Klaus Kinski als besessener Opernliebhaber einen alten Flussdampfer über einen Bergrücken im Regenwald schleppen ließ? In der Debatte um die Zukunft der Klappbrücke über den Westlichen Bahnkanal hat sie jedenfalls vorgeschlagen, die Brücke festzusetzen und die wenigen Schiffe, die diesen Teil des Harburger Binnenhafens nutzen wollen, mit einem Kran über die Straße Veritaskai zu hieven. Ob der Vorschlag ernst gemeint war, blieb offen.

Viel handfester war dagegen die klare Ansage von Uwe Heimböckel vom Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer (LSBG): „Wir wissen noch nicht, welchen Weg wir einschlagen. Wir wissen aber jetzt schon, dass es am Ende weiterhin eine bewegliche Brücke sein wird.“ Damit fiel den Bezirkspolitikern schon mal ein Stein vom Herzen. In den vergangenen Monaten waren nämlich Überlegungen laut geworden, auch diese Brücke – wie demnächst die Klappbrücke über den Östlichen Bahnhofskanal – aus Kostengründen festzusetzen. Damit wäre auch dieser Kanal nicht mehr schiffbar. Und das wäre nicht nur ein weiterer Verlust für die einzigartige Atmosphäre des Binnenhafen-Quartiers, es würde auch massiv gegen die Festsetzungen im Bebauungsplan verstoßen.

Michael Borowski von der Firma Grassl Ingenieurbau beschrieb im Stadtplanungsausschuss beeindruckend detailliert und den technischen Zustand der Klappbrücke. Demnach gibt es neben den Schäden am Straßenbelag, die gerade behoben worden sind, und einem eher harmlosen Korrosionsbefall Probleme mit dem elektromechanischen Antrieb über Rollsegment und Triebstange. Dass nämlich beim Herunterlassen der Brücke keine „Schleichfahrt“ möglich sei, führe zu Schwingungen des gesamten Brückenkörpers und das sei vor allem für die Lebensdauer der Lager von großem Nachteil.

Die Politiker interessierten sich vor allem für die unterschiedlichen Varianten der anstehenden Sanierung und deren jeweilige Kosten. Am billigsten wäre es, die Brücke festzusetzen und lediglich Über- und Unterbau instandzusetzen. Das wäre für 1,0 bis 1,5 Millionen Euro zu haben. Am teuersten wäre eine Erneuerung des Oberbaus samt Gegengewicht, eine Instandsetzung und ein Umbau der vorhandenen Unterbauten sowie eine Erneuerung der Antriebs- und Elektrotechnik mit voller Antriebsleistung, die eine Öffnung der Brücke auch bei Windstärke 12 ermöglichen würden. Geschätzte Kosten: 4,5 Millionen Euro. Eine halbe Million Euro könnte bei reduzierter Antriebsleistung eingespart werden. Dann müsste aber bei Windstärke 7 – oder noch weniger – der Betrieb eingestellt werden.

Eine weitere Million Euro Ersparnis würde der Verzicht auf einen Antrieb für die Klappbrücke. Dann müsste jedes Mal ein Mobilkran angefordert werden, der die Brücke hebt und wieder senkt. Kosten pro Klappvorgang: 15.000 Euro. „Das rechnet sich nicht“, erkannte Rainer Bliefernicht von der CDU augenblicklich. Bei durchschnittlich zwei Öffnungen pro Woche wäre die Ersparnis schnell aufgebraucht. Borowski ließ erkennen, dass diese Variante nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird. Wie teuer die Fitzcarraldo-Variante sein würde, wird er wohl kaum noch berechnen. ag