150608BH3Harburg – Es waren schwierige Bedingungen für das Binnenhafenfest 2015. Am Ende müsste man sich eingestehen: Die Veranstaltung hat gelitten. Weniger Schiffe, kein Riesenrad,

vermutlich auch weniger Besucher. Vor allem der Verlust des Kanalplatzes als zentrale Veranstaltungsfläche hat dem Fest geschadet. Es gab auch Glanzpunkte. Das Café Kleiner Ozean war gut besucht. Die HTB-Bühne traf den Geschmack des Publikums, viele Festbesucher nutzten den Shuttle-Service durch verschiedene Schiffe und Boote, der Veritas-Hafenlauf fand seine Fans und auch das Wetter zeigte sich als maritimer Fan und unterstützte das Binnenhafenfest mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen.

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Die Schiffe, die dieses Jahr am Lostekai festgemacht hatten. Foto: zv

Ganz schlecht abgeschnitten hat der Versuch den Kanalplatz trotz der Einschränkungen durch das 110 Meter lange Wohnschiff, das einen großen Teil der Kaifläche blockiert, zu „bespielen“. Die Veranstalter hatten es als eine Art Marktplatz für Vereine und Institutionen angekündigt. „Wir waren überrascht, wie viele Vereine wir gewinnen konnten“, sagt Gorch von Blomberg, Veranstaltungsleiter des Hafenfestes. Gereicht hat es offenbar nicht, um die Fläche zu füllen. Der  Veranstalter, der gern auf das „unkommerzielle Konzept“ hinweist, platzierte dort auch einen Stand für Tupperware oder den Stand eines Fotografen, der auch  Erotik-Shootings anbot. Teilnehmer aus den Reihen der Hansebiker oder der Marinekameradschaft monierten, dass auf dem Platz keinerlei Gastronomie zu finden war. Die Fläche auf der Schlossinsel, das Gastro-Dorf, entpuppte sich dagegen als holprig buckelige Sandfläche mit im Karree aufgestellten Buden. Zumindest Kinder kamen dort am Nachmittag durch verschiedene Aktivitäten auf ihre Kosten. Für Erwachsene wurde offenbar zu wenig geboten. Am späten Abend war dann auch nicht nur quantitativ, sondern vor allem stimmungsmäßig deutlich mehr vor der HTB-Bühne an der Blohmstraße Ecke Kanalplatz los, als auf dem zentralen Festgelände.

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Die zentrale Veranstaltungsfläche auf der Schlossinsel zwei Stunden nach der Eröffnung. Foto: zv

Im Stich waren die Veranstalter nicht nur vom Riesenrad-Schausteller, der durch erhöhte Sicherheitsanforderungen an einem zweiten geplanten Standort Wismar nicht allein nach Harburg kommen wollte, sondern auch von einigen Eignern von Schiffen gelassen worden. So waren die knallroten Feuerschiffe, die im vergangenen Jahr die Liege-Meile am Lotsekai deutlich aufgewertet hatten, diesmal in Richtung anderer Häfen ausgelaufen. Das Feuerschiff Elbe 1 machte statt in Harburg in Elsfleth an der Unterweser zum dortigen Stadtfest fest. Elbe 3 brach am Wochenende in Richtung Flensburg auf, wo das Hafenfest Dampf-Rundum stattfindet.

Abgesagt hatte auch die smart beach tour, die nach ein paar Jahren in Harburg wieder nördlich der Elbe auf der Moorweide stattfindet. Sie hatte 2014 seriös gezählt an drei Tagen rund 20.000 Zuschauer auf das Areal angezogen. Sie war aber nie Bestandteil des Binnenhafenfestes gewesen, sonder galt als separate Veranstaltung, die „angedockt“ war.

Laut Veranstalter soll das Fest an zwei Tagen die unglaubliche Zahl von über 100.000 Zuschauern angezogen haben. Wer tatsächlich gekommen war, dem wurde ein launiger Nachmittag oder Abend geboten, bei dem man den Hafen erkunden und zu Musik tanzen konnte. Wirklich Neues gab es zu den Vorjahren nicht zu sehen. Erfreulich: Die Polizei registrierte an beiden Tagen keine nennenswerten Zwischenfälle. Es wurde friedlich gefeiert.

Tatsächlich zeigt die Veranstaltung, dass die Platzierung des Wohnschiffes am Kanalplatz Harburg einen der zentralen Festplätze genommen oder zumindest stark eingeschränkt hat. Dort fehlen allein deutlich mehr als 100 Meter Liegefläche für Schiffe. Der zweite zentrale Festplatz ist der Schwarzenberg, der zur Zeit ebenfalls nicht mehr für Feste, Messen oder andere Veranstaltungen zur Verfügung steht. zv