150428SChneeballHarburg – Auf Gisela Strehlau ist Verlass. Im Winter hält sie den Bürgersteig vor dem denkmalgeschützten Haus Compeweg 3 (Baujahr 1893) schnee- und eisfrei, im

Frühjahr, Sommer und Herbst hat der Schmutz vor der Haustür keine Chance. Seit sie „in Rente“ ist,  ist alles besonders piccobello. Vor Jahren hatte Gisela Strehlau zusammen mit ihrem Mann Axel vor dem Haus einen  Strauch der Gattung Schneeball (viburnum) gepflanzt. Früher stand da mal ein Baum. „Den haben sie vor Jahren mal gefällt. Und weiter unten im Compeweg noch ein paar mehr“, sagt Axel Strehlau. „Einfach so, ohne für Ersatz zu sorgen. Die Stadt hat ja kein Geld mehr.“

Kein Problem, sagten sich die Strehlaus. Ein Schneeball tut es auch. Von dieser Gattung gibt es mehrere hundert verschiedene Arten. Um welche es sich vor ihrer Tür handelt, wissen Gisela und Axel Strehlau nicht. „Ist doch egal“, sagt sie. „Hauptsache es ist nicht so kahl.“ Und wenn die Stadt das nicht schafft, machen es eben die Bürger.

So weit war alles in Ordnung. Der Schneeball wurde regelmäßig gegossen, gehegt und gepflegt. Bis Mitte vergangener Woche plötzlich ein Halteverbot-Schild vor dem Haus stand, mit dem Zusatz: „Baumpflanzung.“ Alarm bei den Strehlaus! Ein Anruf im Bezirksamt brachte ihnen Gewissheit: Ihr Strauch der Gattung Schneeball sollte weg. Dafür sollte ein Baum gepflanzt werden. „Wir haben denen vorgeschlagen, doch erst mal die Lücken vor den Häusern 1 und 1a zu füllen“, sagt Gisela Strehlau. „Man gab uns zu verstehen, dass wir das nicht zu bestimmen hätten.“

harburg-aktuell.de hat im Bezirksamt nachgefragt. Tatsächlich will man nicht auf die Anwohner hören. Im Compeweg sind nach Auskunft der Abteilung Stadtgrün mehrere freie Standorte vorhanden“, sagt Bezirksamtssprecherin Bettina Maak. Die Entscheidung für die Pflanzung vor der Hausnummer 3 stehe im Zusammenhang mit der Aktion „Mein Baum, meine Stadt“ (siehe: www.hamburg.de/mein-baum-meine-stadt/4127930/hintergrund/ )  Im Rahmen der Aktion sei genau für diesen Standort ein Baum gespendet worden. Maak: „Wegen der Enge und der Lichtverhältnisse im Compeweg ist allerdings nicht geplant, dort weitere Bäume zu pflanzen.“

Gestern nun standen ein Bagger und ein paar Mitarbeiter der Abteilung Stadtgrün vor dem Haus Compeweg 3, um erst einmal den Schneeball der Strehlaus auszugraben. Doch zur Einpflanzaktion kam es nicht. Nach wenigen Minuten war Schluss. Axel Strehlau: „Die haben festgestellt, dass da Gas- und Stromleitungen verlegt sind. Da kann man nicht mit der großen Baggerschaufel ran.“  Jetzt müsse der Baum per Hand eingegraben werden. Bei dieser Gelegenheit habe der verantwortliche Stadtgrün-Mitarbeiter auch angekündigt, dass im Compeweg doch noch weitere Bäume gepflanzt werden sollen.

Ein bisschen chaotisch sei das schon gelaufen, finden die Strehlaus. Trotzdem haben sie ihren Frieden mit der Abteilung Stadtgrün gemacht. Die hatte nämlich festgestellt, dass der Schneeball Rundwurzeln hat und ohne Schaden ausgegraben werden konnte. Einen neuen Platz hat er auch schon gefunden. ag