150421HaeuserHarburg –  In den kommenden Monaten wird ein weiteres trauriges Kapitel Harburger „Baukunst“ abgeschlossen. Auf der Strecke bleibt wieder einmal die Bürgerbeteiligung,

buchstäblich in der Versenkung verschwindet aber auch ein altes Stück Harburg.  Künftig wird ein bis zu fünf Stockwerke hohes Haus mit rund 40 Studentenbuden und 35 Stellplätzen auf zwei Parkdecks den Blick von der Schwarzenbergstraße auf die winzigen denkmalgeschützten Häuser in der Schorchtstraße verstellen.

Das Vorhaben des Architekten Egbert Oest beschäftigt die Anwohner nun schon seit Sommer 2013. Genau seit dem 2. Juli 2013. Mitten in den großen Ferien hatte das Bezirksamt drei unmittelbare Nachbarn über das Projekt informiert und ihnen ohne Rücksicht auf mögliche Urlaubsreisen nur zwei Wochen Zeit gegeben, mögliche Einwände schriftlich einzureichen. Dabei hatte der Regionalausschuss Harburg schon am 5. Juni 2013 in vertraulicher Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit  die Pläne für das Studentenheim gesehen und durchgewinkt.

Nötig ist das eigentlich nicht, wenn sich die Architekten strikt an die Bestimmungen des Bebauungsplans Harburg 42 gehalten hätten. Hatten sie aber nicht, deshalb mussten die Politiker noch ihr Okay geben. Immerhin in 13 Punkten sollte der Bau vom Bebauungsplan abweichen. Das ist nicht etwa ein Gerücht, das sich böse Nachbarn ausgedacht hatten.  So stand es in dem Brief an die drei Nachbarn vom 2. Juli 2013.

„Wir können und wollen den Bau nicht verhindern“, sagt Barbara Thies aus der Schorchtstraße 50. „Wir hätten aber erwartet, dass man uns ein 150421Listewenig früher und besser informiert. Vielleicht hätten wir die Bauherren noch in dem einen oder anderen Punkt zu einer Änderung bewegen können.“ Sie hatte innerhalb kurzer Zeit fast alle Nachbarn zusammengetrommelt, 200 Unterschriften gesammelt und an den Vorsitzenden der Bezirksversammlung, Manfred Schulz, überreicht. Geändert hat das offenbar nichts.

So hatten die Anwohner zum Beispiel erwartet, dass das Studentenheim mit Rücksicht auf die dahinter liegenden denkmalgeschützten Häuschen ein wenig kleiner dimensioniert wird. Das Gegenteil ist der Fall: Das Haus wird ein Stockwerk höher als eigentlich erlaubt, und auch die Baugrenzen werden auf einer Länge von 16,50 Meter überschritten.

Vor gut einem Jahr hatte Architekt Oest gegenüber harburg-aktuell.de auch noch zugesagt, eine Zufahrt für das Parkdeck auf die Seite Schwarzbergstraße zu verlegen. Die Anwohner hatten auf das Kopfsteinpflaster verwiesen, das noch von Napoleons Soldaten verlegt worden sein soll. Es ist schön anzusehen, aber es ist auch eine große Lärmquelle. Deshalb hatten sich die Anwohner über diesen kleinen Kompromiss gefreut.

Aber auch in diesem Fall sind die Bürger enttäuscht worden. In den neuesten Plänen gibt es nur noch eine gemeinsame Zufahrt, und zwar von der Schorchtstraße aus. Das hat Bezirksamtssprecherin Beatrice Göhring bestätigt. Anwohnerin Barbara Thies: „Wir haben uns engagiert. Und eigentlich nichts erreicht.“ ag