150420GedenkHarburg - „Immer noch denke ich gern an Harburg zurück, obwohl ich aus dieser Stadt vor vielen Jahren vertrieben wurde.“ Diese Worte sprach Julius Beer, als er 1991

nach mehr als 50 Jahren auf Einladung des Hamburger Senats und des Bezirksamts Harburg in die Stadt zurückkehrte, die er kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fluchtartig mit seinen Eltern und seiner Schwester verlassen musste, weil er Jude war. Diese Flucht bewahrte Salka, Robert und Hella Beer nicht vor dem Holocaust, den nur Julius Beer nach einer leidvollen Odyssee durch viele Konzentrationslager überlebte.

Der Rundgang zu Gedenkorten mit Stolpersteinen für Harburger Opfer des National-Sozialismus, zu dem die Initiative Gedenken in Harburg am Sonnabend, 25. April, einlädt, führt auch zu den drei Stolpersteinen, die heute in der Julius-Ludowieg-Straße an den gewaltsamen Tod Salka, Robert und Hella Beers erinnern. Der Gedenkgang beginnt um 16 Uhr am Harburger Museum, Museumsplatz 2, und endet um 17.15 Uhr an der Johanniskirche in der Bremer Straße. Die Teilnahme ist kostenlos.

Der Rundgang ruft nicht nur die Namen der Ermordeten in Erinnerung, sondern er beleuchtet auch ihre Wege in den Tod. Zwölf Monate nach ihrer Flucht mussten Salka und Robert Beer erkennen, dass diese Verzweiflungstat ihnen und ihren Kindern nur eine Atempause verschafft hatte. Als die deutsche Wehrmacht Belgien im Mai 1940 besetzte, mussten sich alle Juden umgehend registrieren lassen.

Bald darauf wurden sie in Sammellager eingewiesen und nach einiger Zeit in die Vernichtungslager im Osten abtransportiert. Salka, Robert und Hella Beer wurden am 19. April 1943 aus dem Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert. 879 Menschen dieses Transports wurden nach ihrer Ankunft sofort in die Gaskammern getrieben. Robert Beer war bereits vorher in dieses Vernichtungslager überführt und dort einem Arbeitskommando zugewiesen worden. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wartete er vergeblich auf ein Wiedersehen mit seinen Eltern und seiner Schwester. (cb)