150415Transit2Harburg – Es ist durch die Wahl des Standortes eine Belastung für Harburg und für die Hamburger Fachbehörde ein teurer Flop. Das Wohnschiff „Transit“, das auf Geheiß

der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) am Kanalplatz liegt, kann nicht voll belegt werden. Lediglich rund 60 statt 216 Flüchtlinge sind auf dem für monatlich 122.600 Euro gecharterten Wohnschiff einquartiert. Das 110 Meter lange Wohnschiff, das extra für seine Aufgabe als Flüchtlingsunterkunft aufwendig in Holland umgebaut wurde, hat gravierende Mängel.

In einem Antrag der CDU-Fraktion für die Bezirksversammlung ist zu lesen, dass die Bedienknöpfe für die Schotten, schwere Stahltüren, die bei einem Wassereinbruch Bereiche abriegeln, nicht unzugänglich gemacht wurden. Jedes Kind, das auf dem Schiff untergebracht werden würde, könnte sie drücken. Die Hebeanlage, mit der Fäkalien abgepumpt werden, funktioniert nicht ordnungsgemäß. Im Hafen ist außerdem zu hören, dass die Sicherungen immer raus springen oder dass nicht genug Nichtraucherfamilien gefunden werden, die auf der „Transit“, auf der Rauchen streng verboten ist, untergebracht werden könnten.

Jetzt soll auf Wunsch der CDU ein Mitarbeiter der BASFI in die Bezirksversammlung kommen und über die Situation berichten. Dabei klammert sich die Politik an den Gedanken, dass die Schiffsunterbringung im Binnenhafen nicht länger hinnehmbar ist.

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Das Wohnschiff "Transit". Nur im unteren Deck brennt Licht. Foto: zv

Eine Erkenntnis hat sich bei der Fachbehörde bereits durchgesetzt. Wohnschiffe zur Unterbringung von Flüchtlingen sind zu teuer. Jan Pörksen, Staatsrat der BASFI, hat laut CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer in einer Runde mit den Fraktionsvorsitzenden aus den Bezirken zugegeben, dass die Kosten für das Projekt aus dem Ruder gelaufen seien. Deshalb wird es kein weiteres Wohnschiff in Hamburg geben.

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23. März. Die schwierige Rettung eines Erkrankten auf der Transit. Foto: zv

Dazu hat sich gezeigt, dass es weitere Probleme gibt. Bewohner, die von Rettungskräften wegen einer Erkrankung oder Verletzung vom Wohnschiff geholt werden müssen, können nur unter großem Aufwand zum Rettungswagen gebracht werden. So wie am 23. März, als ein 46-Jähriger in seiner Kabine erkrankte. Die Feuerwehr musste zusätzlich mit einem Löschfahrzeug anrücken, um den Mann vom unteren Deck zu holen. Der Weg durch das Treppenhaus war offenbar nicht möglich.

Das die Transit wegkommt, ist nicht anzunehmen. Der Chartervertrag läuft über fünf Jahre. Dazu gibt es eine Option für weitere fünf Jahre. Zumindest die könnte nach der Erfahrungen, die man gemacht hat, nicht gezogen werden. Unwahrscheinlich ist auch, dass die „Transit“ verlegt wird. Die Vorbereitungen hatten gezeigt, dass das Wohnschiff dann für längere Zeit nicht nutzbar sein würde, da an einem neuen Platz erst wie am Kanalplatz aufwendig Leitungen zum Schiff gelegt und Pfähle in das Hafenbecken gerammt werden müssten. Das wäre nicht nur mit einem hohen Zeitverlust, sondern auch mit zusätzlichen hohen Kosten verbunden. zv

Veröffentlicht 16. April 2015