150327ContainerHarburg – Infoabend über eine neue Außenstelle der Zentralen Erstaufnahme in der Schlachthofstraße und in einem Rutsch auch gleich noch über eine Unterkunft für alleinstehende

jugendliche Flüchtlinge in der Nöldekestraße. Im Zentrum von Harburg ist das inzwischen eine Routineveranstaltung. Wetternstraße, Lewenwerder I, Lewenwerder II, ZEA, Schwarzenberg, jeden Monat was Neues.

Und so schnurrten denn Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, Projektleiterin Karen Jäger von der Innenbehörde und Klaus-Jürgen Müller, Chef des Landesbetriebs Erziehung und Beratung ihre Routine runter. Zahlen , Steigerung in Prozenten, das Übliche. Nichts Neues. Vielleicht dies: Die ZEA-Außenstelle soll nicht nach der Straße benannt werden, an der sie liegt. „Schlachthofstraße klingt nicht so attraktiv“, sagt Kerstin Jäger als ginge es um eine Verkaufsveranstaltung. Das DRK, das die Einrichtung auch betreiben soll, habe „Wohnunterkunft Neuland“ vorgeschlagen. Das passe, für die Flüchtlinge sei das alles doch tatsächlich Neuland. Jäger: „Eine sehr gute Idee.“

Am Rande sei erwähnt, dass diese Unterkunft ab dem 27. April belegt und nach einem Jahr wieder abgebaut werden soll, weil die Wirtschaftsbehörde Begehrlichkeiten für das Grundstück angemeldet hat. Aber da hörte keiner richtig hin, solche Termine sind immer wieder durch die Wirklichkeit widerlegt worden. Alles Routine. In der alten Polizeiwache sollen die ersten MUFs (minderjährige unbegleitete Flüchtlinge) im Juni einziehen. Glaubhaft ist da vor allem die Laufzeit für diese Einrichtung: Die drei Stockwerke wurden „längerfristig“ vermietet. Kein Wunder, dass der Vermieter das Wort ergriff und geradezu euphorisch so ein Wohnheim für geflüchtete Jugendliche lobte.

Dann die Bürger. Wie immer zwei Lager. Zum einen Anwohner, die sich Sorgen machen. Warum auch immer. Die meisten ärgern sich, dass der Senat fast alle Einrichtungen des Bezirks in einem Umkreis von ein paar hundert Metern um den Harburg Bahnhof angesiedelt worden. Weil es schnell gehen musste. Das andere Lager sieht den Zuzug der Flüchtlinge als Bereicherung, vor allem aber als Chance – auch für die Harburger. Einige von ihnen sind schon in der Flüchtlingshilfe aktiv, berichten von ihren guten Erfahrungen. Und dann schütteln sie mit dem Kopf über einige Äußerungen aus dem ersten Lager.

Schade! Dann richten sich nämlich plötzlich Vorurteile nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen Nachbarn. Wenn eine Hannelore Gebhardt vom Flutende aus der Siedlung Wetternstraße schildert, dass ihr Mann dringend einen Termin beim Augenarzt brauche, er diesen aber frühestens in einem halben Jahr bekommen könne und sie dann sagt: „Es gibt jetzt schon nicht genug Ärzte in unserer Gegend. Warum schickt man dann noch mehr Leute hierher?“, kann man das eventuell widerlegen. Ein Beleg für irgendeine politisch inkorrekte Gesinnung ist das aber bestimmt nicht. Hannelore Gebhardt ist vielmehr seit Jahren in einer Bürgerinitiative aktiv, die sich um ein besseres Zusammenleben mit den Nachbarn aus der Unterkunft Wetternstraße kümmert.

Vielleicht hat es der SPD-Bezirksabgeordnete Torsten Fuß, der nun gewiss nicht im Verdacht steht, ein Rechter zu sein, am besten auf den Punkt gebracht: „Ich teile die Sorgen der Nachbarn. Ich möchte nicht, dass sie sich irgendwie unwohl fühlen und ich plötzlich in einem leeren Viertel wohne. Das Quartier muss bei der Planung solcher Einrichtungen von vorn herein mitgenommen werden.“ Er erinnerte an die Zeit, als in der Anzengruberstraße

ein ehemaliger Sicherheitsverwahrter untergebracht wurde und es einen riesigen Aufstand der Nachbarn gab. Fuß: „Da wohnen Benachteiligte, die wohnen da aber gerne. Und vor allem wollen sie ihre Ruhe haben.“ ag