150211AMHHarburg - "Die Geschichte der Hamburger Neustadt muss neu geschrieben werden", sagte Rainer-Maria Weiss und betonte: "Es handelt sich hierbei um einen

Sensationsfund." Am Mittwoch stellten der Direktor des Harburger Museums und sein Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa die freigelegte Holzkonstruktion der "Neuen Burg" aus dem 11. Jahrhundert den Vertretern der Medien vor.

Seit August 2014 graben die Experten des Archäologischen Museums Hamburg auf einer 360 Quadratmeter großen Fläche am Hopfenmarkt in der Hamburger Neustadt. Das Gebiet birgt ein für Hamburg einzigartiges Bodendenkmalensemble. Auf dem Areal sind Reste der im 11. Jahrhundert errichteten Ringwallbefestigung „Neue Burg“ und der 1195 erstmals schriftlich erwähnten Hauptkirche St. Nikolai im Erdreich erhalten.

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Rainer-Maria Weiss präsentiert die fast 1000 Jahre alte Holzkonstruktion. Foto: cb


 

Jetzt konnten besonders gut erhaltene Fundamentreste der „Neuen Burg“ gesichert werden. Den Archäologen ist es gelungen, Holzkonstruktionen aus fast tausend Jahre alten Baumstämmen im Burgwall freizulegen. Eine Befundsituation mit derart gut erhaltenen Hölzern ist bei archäologischen Ausgrabungen überaus selten anzutreffen. Die Untersuchungen der Archäologen können nun Antworten zur Bauweise der Burg und zum genauen Gründungsdatum liefern und damit die Gründungsgeschichte der Hamburger Neustadt erhellen.

150211AMH2Schon im August starteten die Experten des Archäologischen Museums Hamburg mit ihrer Grabung - 150211AMH3jedoch musste zunächst der Bauschutt der Nachkriegsbebauung entfernt werden. Inzwischen sind die Archäologen schon auf die Reste der 1842 abgebrannten Nikolaikirche gestoßen.

Diese wurden in den letzten Monaten ausgegraben und dokumentiert. Neben den Fundamenten der nördlichen Kirchenwand konnten Pfeilerfundamente des Mittelschiffs und eines Beinhauses ergraben werden. Teilweise bestand das Fundament aus mächtigen Eichenstämmen, welche durch die Dendrochronologie bald zur besseren Datierung der Bauphasen dieser Kirche beitragen können.

Unterhalb der Kirchenfundamente befinden sich Reste des Walles der „Neuen Burg“, die nach schriftlichen Überlieferungen durch Herzog Ordulf im Jahr 1061 errichtet worden sein soll. Der Wall der „Neuen Burg“ bestand aus einer Holzrostkonstruktion, die mit Erde verfüllt wurde. Die Holzbauteile sind bis ins kleinste Detail erhalten. Dendrochronologische Untersuchungen haben nun neue Erkenntnisse zum genauen Gründungsdatum der Burg geliefert. Danach bestand sie überwiegend aus Eichenstämmen, die im Winter des Jahres 1023 gefällt wurden. Dementsprechend ist die „Neue Burg“ älter als die schriftliche Überlieferung angibt. Sie ist demnach nicht durch Ordulf erbaut worden, sondern entstand in der Regierungszeit von dessen Vater, Herzog Bernhard II (1011-1059). Damit scheint bewiesen, dass es sich um die unmittelbare Nachfolge-Anlage der Hammaburg handelt.

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Nach und nach gab das Erdreich Spuren aus mehreren Jahrhunderten frei. Foto: cb


Die Arbeit der Archäologen geht weiter: „Wenn wir unsere Grabungen im Juni beendet haben, wird alles für spätere Generationen dokumentiert und geborgen sein, was im Boden unter dem Hopfenmarkt aus der Zeit der Ursprünge der Neustadt ruhte“, erklärt Kay Suchowa, Mitarbeiter des Archäologischen Museums Hamburg und Grabungsleiter.

Interessierte können sich noch bis Juni 2015 über das aktuelle Grabungsgeschehen informieren und erfahren, wie eine Ausgrabung funktioniert und zu welchen neuen Erkenntnissen die Archäologen zur Hamburger Stadtgeschichte gelangt sind. Das Archäologische Museum Hamburg bietet jeden Donnerstag von 14 bis 15 Uhr eine kostenlose Führung zum aktuellen Stand der Ausgrabungen an. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine verbindliche telefonische Anmeldung erforderlich. Kontakt: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr unter 0 40/4 28 71-24 97.  (cb)