150206GysiHeimfeld – Ein guter Redner ist er ja, Gregor Gysi, Vordenker und Fraktionsführer der Partei Die Linke und Oppositionsführer im Deutschen Bundestag.

Davon konnten sich die Gäste am Donnerstagabend beim INNO-Talk im hit-Technopark überzeugen. Der „beste Redner des Bundestagswahlkampf“ zeigte so richtig, was er auf der Pfanne hat, erklärte Politik und Zusammenhänge in lockerer, plastischer Weise, sorgte für Lacher, die sich auch der linkskritischte Wirtschaftslenker nicht entziehen konnte. So wurden aus einer Stunde knapp zwei Stunden, bevor Gysi, „ich könnte endlos weiterreden“, zum Ende kam. Es war eine Reise durch die Weltpolitik, durch die Macken der Politiker und Mechanismen, die zu Entscheidungen führen. Es ging um Männer die nicht nachgeben können und Sieger, die zuviel siegen anstatt Besiegten Platz zu lassen, oder Politiker, die Zahlen aus Statistiken nehmen, die sie brauchen können. Irgendwie rund, auch wenn man das Gefühl bekam, das Gysi Beispiele nahm, die er brauchte. Nicht zu viel Kritik an Leistung. Nicht zu viel Genörgel an Amerika. Den Leuten in Sachen Völkerrecht den Spiegel vorhalten, in denen westliche Staaten schlecht aussehen und gleichzeitig betonen, dass auch Russland das Völkerrecht in der Ukraine bricht. Er kann es einfach, der 1946 in Berlin geborene Rechtsanwalt und Politiker, der in der DDR aufwuchs und dort unter anderem seinen Lehrabschluss zum Facharbeiter für Rinderzucht im Volkseigen Gut Blankenfelde machte. Geschickt webte er bei seinem Vortrag persönliche Begegnungen und Erfahrungen ein, die Belege für seine wichtigen Kontakte und sein Insiderwissen sind. Da spitzte auch Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, der privat als Zuhörer gekommen war, punktuell seine Lippen zu einem Lächeln. „Amüsant“ war dann auch sein prägnantes Fazit für den Abend.
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Gregor Gysi bei seinem Vortrag im hit-Technopark. Foto: zv
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Gastgeber Christoph Birkel, Geschäftsführer im hit-Technopark, war zufrieden. Mit Gysi konnte er die hochkarätige Vortragsreihe, zu der in den vergangenen Jahren Persönlichkeiten wie Reinhold Messner oder Reiner Calmund kamen, einen weiteren ebenso hochkarätigen und dabei zu keiner Sekunde langweiligen Gast nach Harburg holen. „Wir sind hier vom Spektrum in der Mitte angesiedelt. Wenn ich mir Leute von der SPD oder CDU hole, dann kann ich mir selber ausdenken, was die erzählen. Wir wollen hier auch andere Leute hören, mit Kante und mit anderen Sichtweisen“, sagt Christoph Birkel. „Den Gästen hat es offensichtlich gefallen. Er ist ja deutlich Generalist. Ich fand es war ein spannender, sehr allumfassender Vortrag.“ zv

Veröffentlicht 6. Februar 2015