Schlossinsel2Harburg – Wenn nichts dazwischen kommt, geht nach Informationen von NDR 90.3 in Rotterdam heute um zehn Uhr ein Schleppzug mit einem Seeponton auf eine rund 550 Kilometer

lange Reise über die Nordsee. Das Ziel: Schuppen 80 im Hamburger Oderhafen. Die Ladung: Das Hotelschiff „Transit“, das in den vergangenen Wochen umgebaut worden ist, in den nächsten Tagen am Harburger Kanalplatz festmachen und Platz für rund 250 Flüchtlinge bieten soll.

Am Schuppen 80 wird der Seeponton abgesenkt, so dass die 110 Meter lange, nicht hochseetüchtige  „Transit“ aufschwimmt und in den Binnenhafen nach Harburg geschleppt werden kann.

Dieser Plan hat allerdings noch ein paar Unwägbarkeiten. Ausgerechnet für das kommende Wochenende, an dem die „Transit“ eigentlich in Harburg festmachen soll, erwartet das Seewetteramt eine schwere Sturmflut. Aus Sicherheitsgründen könnte die „Transit“ dann nicht die Harburger Schleuse passieren.

Unterdessen sorgt eine Anfrage der Fraktion der Harburger Grünen für Erstaunen: Sie fragt nämlich nicht zum ersten Mal nach den Gründen, warum die „Transit“ im Harburger Binnenhafen festmachen soll und warum welche Alternativen nicht berücksichtigt worden. Zum ersten Mal gehen die Grünen allerdings auch richtig ins Detail: Sie wollen wissen, was genau der Umbau des Wohnschiffs und der Transport per Seeponton kosten, wie hoch die Liegegebühren sein werden und wie viel genau die öffentlich-rechtliche Unterbringung der Flüchtlinge auf einem Wohnschiff im Vergleich zu anderen Möglichkeiten wie Wohncontainer oder Mietpavillons kostet – und zwar unter Berücksichtigung der Kosten für Spielplätze und andere Einrichtungen, die es auf einem Schiff ja nicht geben kann.

Es folgen die Fragen 12 und 13 – und sie sind nicht ohne Brisanz! Frage 12 lautet wörtlich: „War dem Senat bei seiner Entscheidung für den Liegeplatz der Transit bewusst, dass damit die Investitionstätigkeit im Binnenhafen zum Erliegen kommen würde? Wenn nein, warum nicht?“ Und Frage 13: „ Welche Summe privater Investitionen im Harburger Binnenhafen wurde durch welche Summe öffentlicher Infrastrukturinvestitionen im Binnenhafen seit der Entlassung aus der Schlossinsel aus dem Hafengebiet ausgelöst? Wie ist hier das Verhältnis öffentlicher zu privaten Investitionen? Wie ist dieses Verhältnis bei anderen größeren Hamburger Stadtentwicklungsprojekten wie z.B. Hafencity, Wilhelmsburger Mitte, neue Mitte Altona, Vogelkamp Neugraben (bei geplanten Entwicklungen bitte nachvollziehbare Schätzung).“

Das sind Fragen, die eigentlich auch von der GroKo erwartet werden konnten. Immerhin hatten SPD und CDU ihren Widerstand gegen Wohnschiffe im Binnenhafen angekündigt.  ag