141203AbrissSchlackeHarburg – Von den Anwohnern sehnsüchtig erwartet, immer wieder verschoben – nun aber sind die Bagger da: Seit Dienstag werden die Behelfsheime aus den 1920er-Jahren

in den Straßen Zehntland und Flutende abgerissen. Wenn die maroden, seit langem leer stehenden  Bruchbuden erstmal weg sind, können neue Reihenhäuser entstehen, neue Nachbarn einziehen und helfen, die Verhältnisse in der Siedlung zu stabilisieren. Sie waren ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten, weil sich die bis zu 180 allein stehenden Männer in der Wohnunterkunft Wetternstraße nicht immer vertrugen.
Statt sich jedoch über den Abriss zu freuen, gibt’s in der Siedlung neuen Ärger. Als bekannt wurde, dass in den Behelfsheimen auch Asbest verbaut worden war, musste der Abriss verschoben und eine Spezialfirma mit der Beseitigung des für die menschlichen Atemwege extrem schädlichen Baumaterials beauftragt werden.

Damit jedoch nicht genug. Ältere Bewohner der Siedlung konnten sich noch gut daran erinnern, dass in den Behelfsheimen als Dämmmaterial in den Wänden auch Hochofenschlacke verwendet worden war. Die Schlacke kann je nach Herkunft stark belastbar, sogar leicht radioaktiv sein. Eine besorgte Nachbarin der Behelfsheime fragte deshalb einen Mitarbeiter der Spezialfirma, ob sie auch die Schlacke entsorgen. „Die Antwort hat mich alarmiert", sagt die Nachbarin. „Er solle sich nur um das Asbest kümmern, für die Schlacke habe er keinen Auftrag.“ Als die Nachbarin daraufhin den Bauleiter ansprach, meinte der nur: „Das geht Sie nichts an.“
Gestern nun der Abriss, harburg-aktuell.de war dabei: Der Bagger greift sich eine ganze Wand, hebt sie an, dreht und schlägt sie ein paar Mal auf den Boden. Die Wand zerbröckelt, und eine gewaltige graue Staubwolke verdeckt die Sicht, zieht vom Wind getrieben über die Siedlung. War das so in Ordnung? Irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen waren für den Laien nicht zu erkennen – außer einem Bauarbeiter, der aus einem Gartenschlauch einen dünnen Strahl auf die Trümmer schickte.

Vorsorglich hatte harburg-aktuell.de schon am vergangenen Donnerstag im Bezirksamt nachgefragt, welche Dienststelle für eine ordnungsgemäße Abwicklung so eines Abrisses zuständig ist und ob das möglicherweise auch kontrolliert wird, da es Hinweise auf Hochofenschlacke gebe. Bis heute, Dienstagmorgen, hat das Bezirksamt die Frage nicht beantwortet. Die Anwohner haben sich gestern, kurz nach Beginn des Abrisses, beim Bürgertelefon (Rufnummer: 115) erkundigt und bekamen diese Auskunft: „Da müssen Sie die BGV anrufen.“ BGV? „Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Aber erst morgen ab 10 Uhr. Heute ist da keiner mehr.“ Es könne aber auch sein, dass die „Baubehörde“ zuständig sei, die könne man aber erst Donnerstag anrufen. ag