140916BoleroHarburg – Jahrelang rottete das Gebäude unter der Blumenmarktfläche vor sich hin. Jetzt musste das Bezirksamt die Notbremse ziehen. Die Fläche zwischen Ärztehaus und Bolero

wird gesperrt. Es besteht Einsturzgefahr. Das geht aus einem Gutachten hervor, das dem Bezirksamt seit vergangene Woche vorliegt. Am Dienstagnachmittag informierten die Behörden Bolero-Betreiber Oliver Klühn. Er muss die Außenfläche vor dem Bolero räumen. Das Bolero wird nicht mehr über den Vorplatz, sondern über die seitliche Treppe von der Neuen Straße aus erreichbar sein. „Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt Klühn. „Wir können nur hoffen, dass wir von Seiten der Behörden nach Kräften unterstützt werden."

Das Bolero dürfte Hauptleittragender einer jahrelangen Schlamperei sein. Was Politik und Verwaltung anderen Immobilienbesitzern vorwerfen, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Harburg Center. Macht man selbst nicht besser. Zwar war die Ladenfläche links neben der Videothek verpachtet. Doch bereits vor Jahren hatte die Behörde einen Titel gegen den Pächter erwirkt, ohne ihn erfolgreich vollstrecken zu lassen.

Schon in den 90er-Jahren hatte die Stadt Ärger mit ihrem Pächter. Offenbar kam er seinen Verpflichtungen nicht nach, die Immobilie in Ordnung zu halten. Es kam zum Prozess. Mit dem Abschluss eines Revisionsverfahrens am 14. März 2002, also vor mehr als zwölf Jahren, wurde ein Urteil des Oberlandesgerichts aus dem September 2002 rechtskräftig.

Das Urteil hatte den Pächter verpflichtet, für damals geschätzte rund 500.000 Euro das Gebäude zu sanieren. Dazu gehörten unter anderem „die Beseitigung der Durchfeuchtungen in der Markttoilette, der Durchrostungen der Durchgangstür zum Öltankkeller und auch der Durchfeuchtungen im Ladenbereich“. Aber auch schon im Mietvertrag hatte sich der Mieter verpflichtet, „die Baulichkeiten stets in einem guten baulichen und die Fläche in einem pfleglichen Zustand zu halten“.

Das war nicht geschehen. Nach dem Urteil hatte das Bezirksamt den Pächter im April 2002, im Juni 2004 und im März 2008 aufgefordert, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Vergeblich!

Selbst legte man auch nicht Hand an, obwohl die Stadt weiter Eigentümer der Fläche ist und der Pachtvertrag bereits vor knapp einem Jahr auslief. Man will nichts anfassen, weil nach dem Urteil 2002 weitere Schäden dazugekommen sein dürften, die erst einmal erfasst werden müssen. Ohnehin dürfte das Interesse der Stadt an einer Sanierung gering sein. Sie will die rund 1200 Quadratmeter große Fläche an einen Investor veräußern, der dazu den Teil mit dem Bolero und der Videothek von einem privaten Besitzer kaufen soll, um dort einen mehrgeschossigen Bau zu errichten.

„Man wird sehen müssen, wie es sich weiter entwickelt, und ob die Gäste die neue Zuwegung annehmen“, sagt Klühn. Ein kommender Sommer ohne die Außenplätze vor dem Bolero ist von der Wirkung noch nicht abschätzbar. Das Bolero ist damit nicht die einzige der wenigen für jüngere Leute interessanten Einrichtungen im Bezirk Harburg, die existenzielle Probleme hat. Das Stellwerk im Bahnhof Harburg steht vor dem Aus, weil die Verwaltung einen Ausweichfläche zur Umgehung von Lärmproblemen als Erweiterung ansieht und zusätzliche Lokusse will. Der Beachclub am Veritaskai soll einem Hotelneubau weichen. Ein erfolgversprechendes Bürgerbegehren wird der Bezirk vermutlich auf Weisung des Senates ignorieren müssen. zv