140911TrinkertreffHarburg –  Es ist nicht nur viel Geld, das in das Hans-Fitze-Haus gesteckt wurde. Es sind auch viele Erwartungen. Das Gebäude zwischen einem Fitnessstudio nur

für Frauen und dem Parkhaus am Küchgarten soll Anlaufpunkt für die alkohol- und drogenbedingte „Kummerfälle“ des Bezirks sein. 860.000 Euro, Steuergelder aus dem Sozialtopf der EU, der Fachbehörde und des Bezirks, sind dafür für die kommenden drei Jahre bereitgestellt. Die Einrichtung soll nicht nur Randgruppen Beratung und Hilfe geben. Es soll auch den Rathausplatz entlasten, der seit Jahren unter einem schlechten Image leidet, weil sich dort eine hartnäckige Trinkerszene breit gemacht hat. Zudem ist das Hans-Fitze-Haus auch Nachfolgeprojekt von „ZuArbeit“, das sich im Sinne des Titels durch Erfolglosigkeit auszeichnete, wie selbst Olaf Bohn, Leiter im Hans-Fitze-Haus, zugab. Bei „ZuArbeit“ hatte man versucht das Zielpublikum unter anderem auf dem Rathausplatz direkt anzusprechen und dazu zu bringen, einem geregelten Alltag nachzugehen, bei dem Arbeit eine tragende Rolle spielt. Jetzt geht man da anders ran. „Die Leute müssen die Möglichkeit haben nach Tagesform Geld zu verdienen“, sagte Bohn in seiner Rede zur Eröffnung. Das sei punktuelle Hilfe und nicht „verpflichtend auf einen Monat oder ein halbes Jahr, sondern tagesformabhängig“. Die wird nicht aufdringlich angedient, sondern beruht, wie es Bohn betont, auf Freiwilligkeit.

So ist das Haus zweigeteilt. Das Erdgeschoss Trinkertreff. Im ersten Stock Beratungscenter mit Fachleuten, wie Sozialarbeitern oder auch, einmal die Woche, Rechtsanwälten, an die man sich wenden kann, wenn man „Stress mit der Staatsanwaltschaft oder dem Jobcenter hat“. „Das Angebot wird sehr angenommen“, schwärmt Bohn, der nach den ersten vier Wochen, in denen das Hans-Fitze-Haus bereits geöffnet ist, von dem Zuspruch „ganz beigeistert“ ist. Man wolle nicht bekehren. Wer bekehrt werden will, können aber nach oben kommen.

Das Konzept kommt beispielsweise von den Nutzern des ehemaligen Trinkertreffs Knoopstraße, dem „Projekt Freizeitgestaltung“, das 1996 aus der Traufe gehoben wurde, gut an. „Die Leute fühlen sich sehr wohl hier“, weiß Bohn. Dabei habe im Hans-Fitze-Haus geklappt, was ein paar hundert Meter weiter 19 Jahre lang nicht funktionierte und zu der teilung der Trinkerszene in Rathausplatz-Gruppe und Knoopstraße-Gruppe führte. Die verschiedenen Gruppen harmonieren. „Nach vier Wochen Erfahrung kann man sagen, die kommen miteinander klar“, sagt Bohne zu der „schönen Zwischenbilanz“.

Bezirksamtsleiter Thomas Völsch ist da nicht so euphorisch. Das er die Einrichtung aber für eine gute Sache hält, daran lässt er leinen Zweifel. „Ich bin froh, das wir jetzt starten können“, sagt Völsch. „Wir werden uns Mühe geben, dass es ein Erfolg wird. Man wird sicherlich im Verlauf der Zeit sehen, was gut geht, was vielleicht weniger gut geht und wo man noch nachsteuern muss. Wir sind für jeden Rat und jede Tat zugänglich, um das Ganze am Ende zu einem Erfolg du vielleicht zu einem Modellprojekt für die ganze Stadt zu machen.“ Völsch machte aber auch deutlich, das das Hans-Fitze-Haus auch der Innenstadt Entlastung bringen soll. „Es gibt Menschen, die okkupieren den öffentlichen Raum und die verhalten sich dann so, dass andere sich nicht mehr wohlfühlen, dass sie Angst haben“, so Völsch. Darauf müsse man sehr ernst nehmen reagieren. „Dass das nicht immer mit Verboten funktioniert, wissen wir in Wahrheit“, meint Völsch. Deshalb halte er das Angebot des Hans-Fitze-Hauses für „einen klugen Weg“. So sei es eine Chance für Menschen die ihr Leben, vielleicht auch nur in kleinen Schritten, verändern wollen. Für die ist der erste Stock mit dem engagierten Olaf Bohn und seinem Team da. Wer es nicht möchte, der kann unten bleiben und weiter trinken. zv