140425WaldHarburg – Ja, das Bezirksamt hat alles richtig gemacht! Und doch werfen die beiden verendeten Füchse von der Kuhtrift eine Menge Fragen auf – wenn man noch einmal nachhakt.

Wie berichtet hatte ein Mitarbeiter der ImmoForst OHG, die 46 Hektar Forst in der Haake bewirtschaftet, schon am 2. April die Kadaver gefunden. Sie wiesen alle Anzeichen der Fuchsräude auf, eine durch Milben ausgelöste Seuche, die in den meisten Fällen tödlich verläuft und auch Hunde und Katzen befallen können. Werden diese nicht behandelt, können auch sie verenden.

In Hamburg ist die Fuchsräude zurzeit nicht meldepflichtig. Da aber die Fundstellen in unmittelbarer Nähe der Hundefreilauffläche liegen, schickte der ImmoForst-Mann noch am selben Tag per Mail einen Bericht mit all seinen Kontaktdaten an die zentrale Hundemeldestelle im Bezirksamt Mitte. Sie leitete die Mail ordnungsgemäß am 3. April an das Harburger Fachamt Verbraucherschutz und Umwelt. Und das war es dann.

harburg-aktuell.de hakte am  24. April nach. Das Bezirksamt teilte dann fünf Tage später zunächst mit, dass ihm kein Fall von Fuchsräude in Meyers Park bekannt sei. Auf Nachfrage korrigierte sich Amtssprecherin Beatrice Göhring und ergänzte: „Auch aus dem Bereich Kuhtrift ist uns nichts bekannt.“

Inzwischen meldeten sich besorgte Hundebesitzer bei harburg-aktuell.de und fragten, ob sie ihre Bellos nun auch in der Hundefreilauffläche sicherheitshalber anleinen sollten. Sie hatten inzwischen selber im Internet recherchiert und dabei auch eine Pressemitteilung des Bezirksamts Wandsbek aus dem Februar entdeckt. Nach dem Fund eines an Räude verendeten Fuchses in Bergstedt hatte das Amt vorsorglich über die Ansteckungsgefahr für Hunde und Katzen informiert.

Und warum informiert das Bezirksamt Harburg nicht über diese Gefahr? Beatrice Göhring: „Weil keine Bestätigung vorliegt, dass es sich um Fuchsräude handelt.“ Da stellt sich natürlich die Frage, wer ein krankes Tier untersuchen muss. Vor allem aber: Wer muss die Untersuchung veranlassen? Im Bezirk Wandsbek war das keine Frage. „Das Bezirksamt hat das veranlasst, und das Institut für Hygiene und Umwelt hat das Tier untersucht“, sagt Lena Voß, Sprecherin des Bezirksamts Wandsbek.

Oder blieb das Bezirksamt Harburg deshalb untätig, weil die Füchse an der Kuhtrift – also in einem öffentlich zugänglichen, aber privaten Wald – gefunden wurden? Bei mehreren Umweltsauereien (unter anderem mehrere Lkw-Ladungen mit Abfällen aus einer Wilhelmsburger Bar) in diesem Gebiet fühlte sich wie berichtet ja auch keine Harburger Dienststelle zuständig. Im Bezirk Wandsbek spielte das allerdings  keine Rolle. Der tote Fuchs aus Bergstedt wurde auf Privatgrund gefunden, trotzdem wurde das Bezirksamt dort tätig.

„Nein, es ist völlig unerheblich, wo der Fuchs gefunden worden ist“, sagt dann auf Nachfrage auch Harburgs Bezirksamtssprecherin Bettina Maak.

Sie erklärt schließlich noch einmal, warum das Bezirksamt davon überzeugt ist, richtig gehandelt (indem es nichts tat) und keine Untersuchung der toten Füchse veranlasst zu haben: „Dies ist keine gesetzliche Aufgabe. Da Fuchsräude weder anzeige- noch meldepflichtig ist, hätte auch ein verifizierter Fall keine Aufgabenkette in Gang gesetzt, wie dies bei anzeigepflichtigen Tierseuchen oder meldepflichtigen Tierkrankheiten der Fall wäre.“ Und sie fügt hinzu: „Sofern dem Bezirksamt Harburg ein positiver Räudemilben-Nachweis bekannt werden sollte, werden wir eine Pressemitteilung herausgeben, um Hundebesitzer auf die mögliche Ansteckungsgefahr für ihre Tiere hinzuweisen.“

Dazu dürfte es zu spät sein. Die Räudemilben lassen sich in der Regel nur bis spätestens drei Wochen nach dem Tod des Wirtstieres nachweisen. ag

Veröffentlicht am 8. Mai 2014