140417AnwaltHarburg - Vermutlich werden die 51 Abgeordneten der Bezirksversammlung in den kommenden Tagen – je nach Alter und Neigung – Ostereier verstecken oder auch suchen.

Oliver Krüger, Grundeigentümer aus der Lüneburger Straße, wäre es lieber, die Freizeitpolitiker würden noch einmal in sich gehen und sich genau überlegen, wann sie am Dienstagabend ihren Arm heben. Dann wird nämlich die Bezirksversammlung über die geplante Erweiterung des Phoenix-Centers entscheiden. Krüger: „Eine Entscheidung von existenzieller Bedeutung für die Harburger Innenstadt.“

Dabei ist die Entscheidung längst gefallen. Der Stadtplanungsausschuss hat der Bezirksversammlung mit großer Mehrheit empfohlen, der Erweiterung zuzustimmen. Solche Empfehlungen sind formal zwar nicht bindend, es wäre aber eine politische Sensation, wenn SPD und CDU jetzt noch einmal „umfallen“.

„Bei uns in der Fraktion gibt es einen Mehrheitsbeschluss“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. „Und dazu stehe ich.“ Das ist natürlich Politikersprech, im Klartext heißt es: Die Entscheidung war auch bei der SPD durchaus umstritten, die Mehrzahl der Abgeordneten waren aber für eine Vergrößerung des Phoenix-Centers.

Geplant ist wie berichtet der Wegfall von einigen hundert Stellplätzen im Untergeschoss, sie sollen durch gut 20 kleinere Ladengeschäfte ersetzt werden. Die Strategie ist klar: Seit seiner Eröffnung hat das Phoenix-Center neue Kunden aus dem Umland nach Harburg gelockt – nicht zuletzt durch gemeinsame Werbung, einen attraktiven Branchenmix und wetternunabhängige Wohlfühlatmosphäre.

Da konnte die Lüneburger Straße von Anfang an nicht mithalten. Knapp 100 Grundeigentümer sprechen nicht immer mit eigener Sprache, auf eine gemeinsame Strategie haben sie sich – wenn überhaupt – erst spät geeinigt, die Lücken in ihren Reihen mussten sie notgedrungen mit Ein-Euro-Läden schließen und das wiederum ließ die Attraktivität der Fußgängerzone (ohnehin eher ein städtebaulicher Klein-Saurier aus den 70er-Jahren) weiter verblassen. Ein  Teufelskreis, der seit einigen Jahren mit dem Instrument „Business Improvement District „ (BID) durchbrochen werden soll. Ein mühsames Unterfangen!

Immerhin, jetzt mit dem BID 2.0 schmeißt man sich in den Kampf der Giganten und schickt Anwalt Michael Günther (Foto) nach vorn. Er hat so manche juristische Schlacht gegen die Stadt gewonnen, sei es bei der Elbvertiefung, bei der Umgehung Finkenwerder und bei anderen Großprojekten mit hoher öffentlicher Beachtung. Günthers Gegner ist der Otto-Konzern mit der ECE, Europas größtem Entwickler und Betreiber von Einkaufszentren. Das größte Plus der ECE: Erfahrung mit der Entwicklung und späteren Erweiterung von knapp 200 Einkaufszentren, dazu gesegnet mit besten „Drähten“ in den Hamburger Senat.

Günther soll im Auftrag der „Lü“ gegen die Erweiterung klagen. Seine Hauptargumente: Der „vorhabensbezogene Bebauungsplan Harburg 64“ berücksichtige nicht die Belange der Nachbarschaft und alle Einwände seien vom Planungsbüro Elbberg einfach abgebügelt worden. Ob das stimmt, werden die Gerichte entscheiden. ag