140320BlankauHarburg – Der Klimawandel ist in vollem Gange. Das mag nicht jeder wahrhaben wollen, aber das stoppt die Entwicklung nicht. Was ist also zu tun? Hunderte von Wissenschaftlern

haben im „Klimzug-Nord“ fünf Jahre lang Vorschläge entwickelt, wie steigenden Temperaturen, mehr Regen und anderen Phänomenen im regionalen Bereich begegnet werden könnte. Sie haben mehr als 30 Doktorarbeiten verfasst und ein „Kursbuch Klimaanpassung“ vorgelegt – und doch herrschte bei der Abschlusskonferenz in der Technischen Universität Hamburg-Harburg Ratlosigkeit.

Erkenntnisse und Empfehlungen ändern nämlich gar nichts, dafür müssen Verwaltung und Politik sorgen. „Wir wissen aber nicht, wann ist welche Maßnahme dringlich“, sagte Johannes Grützner vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume. Und Dr. Christian Jacobs vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz forderte die Wissenschaftler auf, den Entscheidern Methoden zu nennen, wie dringende Problemlösungen von weniger dringenden unterschieden werden können. Jakob Richter, Leiter der Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg, die den „Klimzug-Nord“ mit 20 Millionen Euro finanziert hatte, forderte schließlich die Wissenschaftler auf, sich als aktive Bürger an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Welche Probleme der Klimawandel mit sich bringt, zeigt ein Beispiel aus dem Obstanbaugebiet Altes Land. Seit 1975 ist die durchschnittliche Jahrestemperatur dort um rund 1,5 Grad Celsius angestiegen. Eine der Folgen: Die Obstblüte beginnt jetzt zwei bis drei Wochen früher, wird dadurch häufiger von „Spätfrostereignissen“ gefährdet. Diplodia seriata fühlt sich im geänderten Klima indes wohler. Die Schwarze Sommerfäule, ein wärmeliebender Pilz, tritt seit 2007 immer häufiger auf.

Ein anderes Beispiel: Steigt der Meeresspiegel, steigt auch der Grundwasserspiegel. Selbst im „Binnenland“ der Elbinsel Wilhelmsburg würde bei einem prognostiziertem Anstieg des Meeresspiegel um 80 Zentimeter das Grundwasser noch um 25 Zentimeter steigen Außerdem würde die Wasserqualität sinken, weil der Anteil des Brackwassers steigen würde.

Im „Kursbuch Klimaanpassung“ sind eine Fülle von weiteren Beispielen beschrieben – eine erschreckende Dokumentation von Ereignissen, deren Ursache einige immer noch nicht wahrhaben wollen.

Dr. Helmut Thamer, Chef der TuTech Innovation GmbH und Gesamtkoordinator des „Klimzugs-Nord“ zeigte sich in seinen Grußworten beeindruckt von der guten Zusammenarbeit und auch deren Nachhaltigkeit auf rein privater Basis im Kreise der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen: „Immerhin sind in diesem Kreis in den vergangenen fünf Jahren 20 Schwangerschaften entstanden.“ ag

Weitere Informationen unter klimzug-nord.de