140223standortBostelbek – Zuerst wird entschieden, die Bürger kann man irgendwann später mal informieren. Und die wundern sich dann, wenn in ihrer Nachbarschaft plötzlich Bäume gefällt und

Schrebergärten geräumt werden. Aber keiner sagt ihnen warum. Wenig später steht dann eine besser gekleidete Dame am Gartenzaun, sagt sie sei Architektin und teilt den ahnungslosen Anwohnern mit: „Freuen Sie sich, Sie bekommen neue Nachbarn!“

Genau so ist es Peter und Melanie Altig ergangen. Ihren richtigen Namen möchten sie nicht öffentlich preisgeben, ihnen geht es nicht gut, sie haben in den letzten Jahren im Umgang mit Hamburger Behörden einiges einstecken müssen und wollen nicht noch mehr Ärger. Das, was da unmittelbar neben ihrem Schrebergarten neben der Pferdewiese im Dreieck der Straßen Am Radeland, Bostelbeker Damm und Moorburger Bogen passiert, macht ihnen nicht nur Sorgen. Es macht sie wütend, weil „man uns behandelt, als wären wir Luft“.

Inzwischen haben die Altigs von ihrem Nachbarn, den sie wegen seiner Taubenzucht alle nur „Taube“ nennen, erfahren, dass auf der Pferdewiese Wohncontainer „für Fremde“ aufgestellt werden sollen. „Mindestens 260“, sagt Melanie Altig. „Überwiegend Roma und Sinti.“  So hat sie es jedenfalls gehört. Und ihr Mann Peter sagt: „Wir haben nichts gegen neue Nachbarn. Aber man hätte uns doch mal informieren können.“ Sie hätten zum Beispiel gerne gewusst, ob es stimmt, was die Architektin gesagt hat. Demnach soll einer der Wohncontainer direkt neben ihre Laube gestellt werden, vors Küchenfenster. „Dann wird’s dunkel bei uns“, sagt Melanie Altig.

Es tröstet sie wenig, dass es „Taube“ noch schlimmer getroffen hat. Der habe von der Stadt eine Kündigung für seine Parzelle bekommen und musste innerhalb einer Woche alles räumen.

Wie harburg-aktuell schon mehrfach berichtet hat, sind die Bostelbeker Pferdewiese und eine Fläche neben der ehemaligen Panzerverladerampe in Fischbek in der engeren Wahl für eine weitere Wohnunterkunft. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, wurde immer wieder betont. Offenbar stimmt das nicht: Niemand fällt Bäume auf Verdacht oder schmeißt auf Verdacht einen Schreber von seiner Scholle. „Bis vor wenigen Tagen sind wir auch nicht informiert worden“, sagt Heinke Ehlers, Bezirksabgeordnete der Grünen. „So geht das doch nicht.“

Inzwischen hat die Sozialbehörde über Absichten informiert. Demnach sollen auf dem Gelände in Bostelbek zehn zweistöckige Wohncontainer für bis zu 216 Zuwanderer und Obdachlose aufgestellt werden. „Dass da andere Zahlen im Umlauf waren und dass auch über besondere Personengruppen spekuliert wird, ist eine Folge mangelnder Kommunikation“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. Er hat sich am Wochenende mit Grünen-Fraktionschef Kay Wolkau darauf verständigt, für die Bezirksversammlung am Dienstag noch einen gemeinsamen Dringlichkeitsantrag einzureichen. Darin soll das Verhalten der Sozialbehörde kritisiert werden, die immer wieder den Bezirk vor vollendete Tatsachen stellt. Außerdem soll dringend zu einer Info-Veranstaltung für die Anwohner eingeladen werden. Die sind „auf Zinne“. Davon konnten sich Kay Wolkau und Jürgen Heimath auf der Jahreshauptversammlung der Bostelbeker Siedler überzeugen. ag