140123StapelHarburg - Der bekannte Philosoph Richard David Precht sorgte an der TU-Harburg für einen großen Ansturm: Mehr als 400 Besucher waren bei der Abschlussvorlesung von

Precht im Audimax der Uni dabei. Eröffnet wurde die Veranstaltung - und damit der letzte Teil der fächerübergreifenden Vorlesungsreihe - von der Initiatorin des Graduiertenkollegs „Kunst und Technik“ Prof. Dr. Margarete Jarchow. In ihrer Rede wies sie auf sprachliche Missverständnisse zwischen den technischen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen hin. Um diese Hürde zu überwinden, müssten bestehende Strukturen aufgelockert und Forschungsgebiete durch übergeordnete Fragestellungen zusammengeführt werden.

Auch die anwesende Hamburger Senatorin für Wissenschaft und Forschung Dr. Dorothee Stapelfeldt betonte in ihrer Begrüßungsansprache die Bedeutung des Graduiertenkollegs, durch das die TU-Harburg um eine intellektuelle Ebene reicher geworden sei und eine bundesweite Vorreiterrolle auf diesem Gebiet einnehme.

Den einstündigen Abschlussvortrag begann der prominente Gastredner Richard David Precht mit den Worten: „Sie hören nun eine Vorlesung über ein Thema, das sich trockener nicht anhören könnte: ‚Interdisziplinarität – Theorie und/oder Praxis‘“. Ganz und gar nicht trocken, sondern ausdrucksstark und mit vielen witzigen Anekdoten, brachte Precht in seinem fast atemraubenden Vortrag dem Auditorium die Grundzüge der Philosophie und ihre Bedeutung für die Ingenieurswissenschaften näher: „Wie jeder Philosoph wissen sollte, wie ein Gehirn funktioniert, sollten Sie als Techniker etwas von Ethik verstehen: Sie sollten in der Lage sein, Ihr eigenes Handeln beurteilen zu können. Die Reflexion über Ihr Tun macht aus Ihnen nicht nur einen Techniker, sondern eine technische Persönlichkeit.“ Dabei gelang ihm ein virtuoser thematischer Brückenschlag von der Antike bis heute.

Eine Posterausstellung im Foyer informierte interessierte Gäste über aktuelle Forschungsprojekte des Graduiertenkollegs, das in diesem Jahr nach neun Jahren endet. Im Rahmen des Kollegs wurden zahlreiche Publikationen und zwölf Dissertationen veröffentlicht, weitere elf folgen. (cb)