140117StromHarburg – Die 380-Kilovolt-Leitung quer über die Schlossinsel wird auf absehbare Zeit bleiben, wo sie ist. Das ist die bittere Erkenntnis aus einer Tischvorlage des Bezirksamts.

Der Auftrag an die Verwaltung lautete: Untersucht doch mal, welche Möglichkeiten es gibt, die nicht nur optisch störende Leitung loszuwerden. Wegen der elektrischen Felder und den durch sie ausgelösten diffusen Gesundheitsrisiken sollen in der Nähe solcher Leitungen auch keine Wohnungen gebaut werden.

Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) hat außerdem untersucht, ob sich eine Verlagerung der Leitung durch den Verkauf zusätzlicher Wohnungsbauflächen lohnt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Baufelder direkt am Lotsekanal sind als Misch- und Kerngebiet ausgewiesen, maximal dürften hier 49 Prozent der Fläche für den Wohnungsbau ausgewiesen werden. Wegen der Leitung ist diese Variante aber gestrichen.

Wäre die Leitung weg, hätte man zusätzliche Flächen für den Wohnungsbau. Friedrich Gottschalk vom LIG schätzt den zusätzlichen Verkaufserlös auf – je nach Umfang – 400.000 bis 900.000 Euro. Das ist viel zu wenig, um die Leitung unterirdisch unter dem Lotsekanal zu verlegen. Das würde einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ kosten. Möglich wäre auch eine überirdische Verlagerung an das Ufer der Süderelbe. Die Kosten: ein „mittlerer bis hoher einstelliger Millionenbetrag“. Selbst wenn alle freien Baufelder auf der Schlossinsel nur noch für den Wohnungsbau frei gegeben werden könnten, würde der Erlös nur knapp reichen.

Zu viel Risiko, findet Gottschalk: „Deshalb werden wir das Baufeld 3b jetzt ausschließlich als Gewerbefläche vermarkten.“  Baufeld 3b ist in etwa jene Fläche, auf der die IBA-Infocontainer standen.

Halt, stopp! Die CDU findet das alles gar nicht lustig. Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer: „Das erklärte Ziel unserer Stadtentwicklung war immer die Verlagerung der Leitung. Daran hat sich für uns nichts geändert.“ Seine Fraktion weigerte sich jedenfalls, im Stadtplanungsausschuss der Tischvorlage zuzustimmen.  Die CDU habe noch Beratungsbedarf. Nun soll der Ausschuss in 14 Tagen entscheiden. ag