131206ProtheseHarburg - Jahr für Jahr steigt die Zahl der Operationen in deutschen Krankenhäusern. Allein 400000 Menschen erhalten jährlich ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Damit

führt Deutschland bei der Menge der Hüft- und Knie-Endoprothesen die OECD-Statistik deutlich an. Um jedoch eventuelle Probleme bei der klinischen Anwendung mit bestimmten Prothesendesigns frühzeitig erkennen zu können, fordert Prof. Dr. Michael M. Morlock, Leiter des Instituts für Biomechanik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, ein Endoprothesenregister (Endoprothese bezeichnet den Ersatz eines zerstörten Gelenks durch eine Prothese): "Obwohl Deutschland Weltmeister im Implantieren von Hüft- und Kniegelenken ist, gibt es hierzulande kein verpflichtendes Register für Medizinprodukte, die in den Körper eingesetzt werden. Ich halte die Einrichtung eines solchen Endoprothesenregisters für zwingend notwendig. Damit lassen sich Gründe eines Prothesenwechsels systematisch erfassen wie auch Vergleiche innerhalb der Gütekategorien sowie über die Dauerhaftigkeit verschiedener Implantate anstellen, um eventuell gehäuft notwendige Wechseloperationen (Revisionsoperation) aufzuzeigen." Auch könne durch ein derartiges Register eine objektive Rückmeldung an die Leistungserbringer (Krankenhäuser/Operateure), Implantathersteller, Kostenträger und auch Patienten gewährleistet werden.

Der Professor verweist darauf, dass ein verpflichtendes Register bereits seit Jahrzehnten in den skandinavischen Ländern üblich sei. Schweden und Finnland gründeten bereits 1979 das weltweit erste Endoprothesenregister. Das Resultat: In Schweden sank die Zahl der jährlichen Wechseloperationen auf die Hälfte. Morlock steht mit seiner Forderung nicht allein da. Eine permanente Qualitätskontrolle der Hüft- und Knieprothesenimplantationen, die Auswertung von Daten aus Registern und klinischen Studien sowie weitergehende Ansätze zur Qualitätssicherung durch eine Zertifizierung von Kliniken und Ärzten fordern der Bundesverband Medizintechnologie und die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik.

Sie hatten kürzlich zu einem zweitätigen, von Prof. Morlock mitorganisierten Kongress in Köln eingeladen. Rund 200 Teilnehmer diskutierten rund um das Thema "Qualitäts- und Sicherheitsinitiative - Endoprothetik 2013" unter anderem über verwendete Materialien, Implantatsicherheit und Fehlervermeidung. Bei dieser Gelegenheit unterstützte auch der geladene CDU-Politiker Volker Kauder die Forderung nach einem Endoprothesenregister. Er könne sich ein verpflichtendes Register für Hüftprothesen "durchaus vorstellen, wenn es der Sache dient. Für uns geht es darum wegzukommen von dem reinen Fokus auf die Produktzulassung hin zu einem qualitätsgesicherten Versorgungsprozess." (cb)