131024AmpelHarburg – Ein paar rotweiße Sperren, mobile Ampeln, Staus zum Feierabend und sinnlose Wartezeiten am Wochenende: Die neu gestaltete Einmündung der Seevestraße

in die Hannoversche Straße wirkt ziemlich provisorisch. Und jeder hofft, dass das alles bald wieder vorbei ist. Aber daraus wird nichts. Eines Tages soll die Seevestraße ein Stück weiter nach Norden verlegt werden – und bis dahin bleibt das Provisorium.

Allerdings steht noch nicht fest, wann die Seevestraße verlegt wird. Das bestätigte jetzt Helma Krstanoski, Sprecherin der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation auf Anfrage von harburg-aktuell. Wie aus dem Bezirksamt zu hören war, steht die Finanzierung für den Umbau noch nicht. Offenbar gibt es bisher auch nur Schätzungen, wie viel die Verlegung der Seevestraße tatsächlich kostet. Krstanoski: „Kostenunterlagen liegen uns noch nicht vor.“ Mit anderen Worten: Das kann noch Jahre dauern.

So lange wollte Harburgs Baudezernent Jörg Penner wohl nicht warten. Sein durchaus lobenswertes Ziel: Er will den Durchgangsverkehr – und hier sind vor allem die Schwerlaster gemeint –  aus dem Straßenzug Veritaskai/Kanalplatz vertreiben. Die Quasi-Hafenquerspange zwischen den Autobahnen A1 und A7 verhindert die Entwicklung eines attraktiven Stadtquartiers am Lotsekanal.

Penner will den Verkehr auf Seevestraße und Karnapp konzentrieren. Des einen Freud, des anderen Leid! Denn besonders die Anwohner des Karnapps sind die Gelackmeierten. Hauseigentümer Geert Fischer: „Was vorne am Veritaskai mühsam aufgebaut wird, wird hinten am Veritaskai mit dem Hintern wieder eingerissen.“

Aber auf dem Ohr ist der Baudezernent taub. Er will die Seevestraße verlegen, er muss sogar. Zum einen wird das Eckgrundstück vorne an der Einmündung nach der Verlegung wesentlich besser nutzbar (der Investor steht schon vor der Tür), zum anderen muss Penner den Lärm in der relativ engen Neuländer Straße dämpfen. Sonst kann er das Prestigeprojekt „Neuländer Quarree“ nicht genehmigen!

Also kommt es Penner sehr gelegen, dass der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer (LSBG) mal eben 90.000 Euro (Haushaltstitel 7200.741.10/Neu-, Um- und Ausbau von Straßen) locker gemacht und das Provisorium in Auftrag gegeben hat. Nun kann sich der Durchgangsverkehr schon mal an die neuen Wege gewöhnen.

Noch sorgt das Provisorium indes für Unmut. Im Feierabendverkehr bilden sich auf der Hannoverschen Straße lange Rückstau, weil plötzlich nur noch eine Fahrspur in Richtung Cuxhavener Straße zur Verfügung steht. Ebenso blöd: Am Wochenende müssen Autofahrer an der Ampel halten, obwohl kein einziges Auto aus der Seevestraße kommt oder nach links in die Seevestraße einbiegt.

Kann man das nicht ändern. Krstanoski: „Die Ampelschaltung wird erst nach der endgültigen Planung der künftigen Seevestraße und Dimensionierung der Signalisierung entwickelt. Und da die Maßnahme befristet ist, wurde aus Kostengründen keine verkehrsabhängige Steuerung vorgesehen.“ Also heißt die Formel für die Ampelschaltung „π mal Daumen“! Und das auf Jahre!

Man muss Helma Krstanoski zugute halten, dass sie als Behördensprecherin auch nur die Antworten des LSBG weitergibt. Deshalb muss man auch am Sachverstand der Straßenbau-Experten im LSBG zweifeln, wenn man die Behördenantwort auf die letzte Frage von harburg-aktuell liest. Angesichts der Sperrung der Seehafenstraße hatten wir gefragt, ob die veränderten Verkehrsströme auch zu neuen Überlegungen für die Verkehrsströme im Binnenhafen geführt haben. Die meisten Autofahrer waren nämlich über die B73 ausgewichen, ohne dass es dort zu nennenswerten Störungen gekommen ist. Könnte man da nicht auch auf die Seevestraße als künftige Hauptverkehrsachse durch den Binnenhafen verzichten – zur Freude der Leute vom Karnapp?

Die Antwort des LSBG: „Die Einrichtung der Ampel an der Seevestraße steht nicht in Zusammenhang mit der Sperrung der Seehafenstraße. Die Ampel wurde eingerichtet, um den Schwerlastverkehr im Harburger Binnenhafen besser zu verteilen.“ Spätestens wenn die Seehafenstraße wieder frei ist, werden die Experten vom LSBG den Zusammenhang erkennen... ag