130905ElbmosaikNeugraben – Es herrschte freudige Aufbruchstimmung in der Harburger Wohnungsbaukonferenz: „Es tut sich spürbar etwas“, sagte Muammer Kazanci, Vorsitzender

des Stadtplanungsausschusses. Überall entstünden im Bezirk spannende neue Wohnquartiere.

Und trotz der im letzten Wahlkampf für die Hamburgische Bürgerschaft von Olaf Scholz hochgesetzte Vorgabe von 6000 neuen Wohneinheiten pro Jahr muss Harburg „nichts über sich ergehen lassen“. Das stellte Bezirksamtsleiter Thomas Völsch in seiner Begrüßungsrede fest. Der Bezirk habe trotz dieser Vorgabe die Chance, seine Zukunft zu gestalten. „Das muss uns aber auch ermutigen, alles immer wieder neu zu denken“, sagte Völsch.

Der Bezirk hatte sich verpflichtet, 700 Wohneinheiten per anno zu Scholzens Wahlversprechen beizutragen, bisher hat das offenbar ganz gut geklappt. 2012 wurden 744 Baugenehmigungen erteilt, in diesem Jahr sind es schon „deutlich über 500“. Und es soll noch besser werden. Allein für 2014/2015 sind jetzt schon 2280 Wohneinheiten in der Pipeline – 150 am Kaufhauskanal, 140m am Schellerdamm, 130 an den Harburger Brücken, 210 im Neuländer Quarree, 175 am Bleicherweg/Helmsweg, 154 an der Hannoverschen Straße, 340 an der Denickestraße/Thörlstraße, 130 an der Rönneburger Straße/Radickestraße, 140 an der Winsener Straße, 110 am Sinstorfer Weg, die ersten 200 auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne und weitere 400 im Elbmosaik.

Das sind zunächst nur ein paar Zahlen, in der Realität gibt es Widerstände, unvorhergesehene Hindernisse, gelegentlich auch neue Megatrends, die Planungen über den Haufen werfen können. Wer hätte zum Beispiel vor 15 Jahren gedacht, dass mehr Wohnungen nicht gleichzeitig auch die Einwohnerzahl der Stadt anwachsen ließe. „Mehr Wohnungen heißt erst einmal nur mehr Haushalte“, sagte Dr. Jan Behrendt, Geschäftsführer des gleichnamigen Wohnungsbauunternehmens. Mit anderen Worten: Die Zahl der Singlehaushalte hat rapide zugenommen.

Ganz andere Sorgen äußerten die Teilnehmer einer Arbeitsgruppe zur Bürgerbeteiligung in den neuen Wohngebieten Elbmosaik und Röttiger-Kaserne. Dort sollen in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch rund 2000 Wohnungen entstehen, also rund ein Fünftel des Wohnungsbestands im Bereich Süderelbe. Das könne aber nur „gut gehen“, wenn die neuen Bewohner von Anfang an integriert werden – aber das werde zum Beispiel beim Elbmosaik durch die trennende Wirkung von B73 und der wenig einladenden Fußgängerbrücke dramatisch erschwert. „Es wäre fatal, wenn das Elbmosaik ein Stadtteil für sich bleibt“, sagte ein Neugrabener. Diese Gefahr sieht Behrendt auch für das Röttiger-Quartier: „Im Vergleich zum Elbmosaik ist die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr eher mau. Da müssen sich die Planer dringend etwas einfallen lassen.“

Muammer Kazanci war zufrieden mit der zweiten Wohnungsbaukonferenz für Harburg: „Es gab jede Menge Anregungen. Vor allem aber ist wichtig, dass alle Beteiligten im Gespräch bleiben, seien es Politik, Verwaltung, Wohnungsbauunternehmen oder die Bürger.“ ag