130808spatenWilhelmsburg – Parallelwelten in Wilhelmsburg: Während Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den ersten Spatenstich für die neue Wilhelmsburger Reichsstraße feiert,

haben kurz zuvor die Engagierten Wilhelmsburger nur einen Steinwurf entfernt den letzten Spatenstich für das 136-Millionen-Euro-Projekt bejubelt. Für Ramsauer steht fest: Der Plan, die Reichsstraße zu verlegen, habe sich „geradezu aufgedrängt“. Das sei zwar ein recht teures Vorhaben, es werde „diesem schönen Stadtteil“ aber nur Vorteile bringen.

Seit Juni gibt es Planrecht für die neue Trasse, und inzwischen hat Bürgermeister Olaf Scholz „Sofortvollzug“ angeordnet –  mitten im Bundestagswahlkampf. Und so griffen Ramsauer, Scholz und Verkehrssenator Frank Horch zum Spaten, um nicht mit dem Straßenbau, aber immerhin mit dem Bau einer Lärmschutzwand zu beginnen. Dass es beim Straßenbau noch zu Verzögerungen auf Grund von juristischen Auseinandersetzungen kommen könnte, schloss Scholz nicht aus.

Tatsächlich haben die Engagierten Wilhelmsburger Klage beim Oberverwaltungsgericht eingereicht. „Der Senat hat alle Kompromissvorschläge abgelehnt“, sagt Initiativensprecher Jochen Klein. „Und selbst der offizielle Planfeststellungsbeschluss bescheinigt zum Beispiel den Nachbarn der geplanten Anschlussstelle Rotenhäuser Straße erhebliche Nachteile.

Die Initiative will „keine neue Autobahn durch Wohngebiete.“ Der Hinweis auf die 136 Millionen Euro Baukosten, die der Bund übernehme, sei ohnehin Augenwischerei. Hamburg müsse den Rückbau der Alten Reichsstraße und den Ausbau der Zu- und Abfahrten bezahlen. Da kämen noch einmal 40 bis 60 Millionen Euro für den Hamburger Haushalt zusammen. ag