130611RoettigerNeugraben– Ein Gespenst geht um. Allein der Gedanke lässt manche Politiker vor Angst erstarren. Andere, abgebrühtere Politiker sehen das Gespenst überall und

erwähnen es bei jeder Gelegenheit, um dem politischen Gegner ordentlich Angst einzujagen. Taucht das Gespenst dann tatsächlich leibhaftig auf, kann man bei einigen Politikern die wildesten Beißreflexe beobachten.

Die Rede ist vom Hochhaus. Davor muss gewarnt werden, das muss mit aller Härte bekämpft werden. Das Hochhaus ist offenbar der Inbegriff allen Übels in dieser Gesellschaft. „Getto“ ist noch das harmlosere Schimpfwort, einige vergleichen es sogar mit Horrormonstern wie „Kirchdorf-Süd“ oder „Neuwiedenthal“.

Eine sachliche Diskussion über Häuser, bei denen der Fußboden mindestens eines Aufenthaltraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt (das ist in Deutschland die offizielle Definition eines Hochhauses), ist kaum noch möglich. Und deshalb werden es die Planer der IBA Hamburg GmbH auch schwer haben, das Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne endlich einmal „gegen den Strich“, also gegen seit Jahrzehnten eingefahrene Wohnungsbau-Praktiken, aber unter Berücksichtigung aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen zu planen und dann auch bei den Politikern auf Zustimmung zu stoßen.

Wie schwer das wird, merkten sie im Harburger Stadtplanungsausschuss als IBA-Projektleiterin Karen Pein und ihr Team ein paar neue Ideen für das Röttiger-Gelände vorstellten. Noch vor Jahresfrist konnte man davon ausgehen, dass fast das komplette Areal gerodet wird und dann – fein säuberlich nach Haustypen (Einfamilienhaus, Reihenhaus, Doppelhaus, Stadtvilla, Geschosswohnhäuser) getrennt –  aufgefüllt wird. Nun bleiben die meisten Bäume stehen, die Neu-Fischbeker werden in einem Landschaftspark wohnen, vor allem aber sollen auch heutige Bedürfnisse berücksichtigt werden. So gibt es immer mehr Leute, die sich im Familienkreis oder auch mit Freunden zusammentun, um gemeinsam ein größeres Wohnprojekt zu verwirklichen. Es gibt aber auch Leute, die ganz bewusst an den Rand der Metropole ziehen, direkt neben ein Naturschutzgebiet, um dann von der Dachterrasse die Landschaft und den Blick auf jene Metropole zu genießen. Das geht besonders gut, wenn das Haus acht Stockwerke hat. Was für eine herrliche Aussicht!

Das Gespenst Hochhaus zeigte im Stadtplanungsausschuss indes Wirkung. Günter Rosenberger von der FDP lehnt so was ab. Begründung: „Ich möchte auf meiner Terrasse in Ruhe in der Nase pulen können, ohne dass mich einer aus dem Hochhaus dabei beobachtet.“ Kay Wolkau von den Grünen pflichtete ihm bei: „Acht Geschosse sind mir eigentlich zu hoch.“

Zumindest Rainer Bliefernicht (CDU) zeigte sich vom Gespenst weniger beeindruckt und will jetzt erst einmal eine Schnittzeichnung durch das Gelände sehen. Damit man die Größenverhältnisse einschätzen kann.

Im Januar 2014 will das IBA-Team seine endgültige Planung vorlegen. ag