130529StPankratiusNeuenfelde – Als Filmkulisse für ein heruntergekommenes Dorf im ehemaligen „Zonenrandgebiet“ eignet sich Neuenfelde sicherlich. Als attraktive ländliche Wohngegend

in Citynähe kommt das ehemalige Elbdorf dagegen wohl weniger in Frage. Denn wer möchte schon gern neben leer stehenden Häusern wohnen? Das ist schon traurig genug, geradezu beschämend ist es allerdings, wie mehrere Hamburger Fachbehörden und letztlich auch das Bezirksamt mit der Situation umgehen.

Als sich die Stadt entschieden hatte, die Start- und  Landebahn des Airbus-Werks auf Finkenwerder zu verlängern, kaufte sie vor mehr als zehn Jahren 66 intakte Wohnhäuser auf und ließ sie fortan leer stehen. So konnten mögliche Klagen von Anwohnern gegen die Verlängerung verhindert werden. Da Leerstände von diesem Ausmaß angesichts immer dramatisch werdender Wohnungsnot nicht länger zu verantworten sind, war klar, dass dies kein Dauerzustand sein könnte.

Inzwischen wird die Hälfte der Häuser saniert, dafür stehen insgesamt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Und der Rest? Dazu hat Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) kurz nach seinem Amtsantritt unter anderem dies verkündet: „Für die wirtschaftlich nicht sanierbaren restlichen 31 Häuser wird bis zum 31. Juli 2012 eine mögliche sonstige Behördennutzung geprüft – anderenfalls sollen diese Häuser mit der Option der Neubebauung der Grundstücke durch die SAGA abgerissen werden.“

Was ist daraus geworden? Die Harburger Fraktion der Grünen hat im März 2013 nach dem aktuellen Stand der Planungen gefragt. Da für die Auskunft auch eine Fachbehörde gefragt werden musste, hatte das Bezirksamt sechs Wochen Zeit, die Anfrage zu beantworten. Aber selbst das reichte nicht aus, Mit vier Wochen Verspätung kam diese „erschöpfende“ Antwort der Finanzwort: Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Es finden hierzu fortlaufend Dialoggespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Stadtplanungsausschuss statt. Wann mit einer konkreten Entscheidung zu rechnen ist, kann derzeit noch nicht abgesehen werden.“ Drei Sätze in zehn Wochen!

„Diese Antwort ist keine Antwort, sondern ein Alibi für Nichtstun“, sagt Dr. Gudrun Schittek, Mitglied der Grünen Fraktion im Regionalausschuss Süderelbe. Dass die Behörde sich für eine derart dünne Antwort zehn Wochen Zeit lasse, statt wie vorgesehen spätestens nach sechs Wochen zu antworten, spreche Bände. Der SPD-Senat sei in der Pflicht, endlich wie lange versprochen den Neuenfelder Bürgern einen intakten Ort zurückzubauen.

Und Kay Wolkau, Fraktionschef der Grünen in der Bezirksversammlung Harburg, sagt: „Das Versprechen, die Wohnungsnot in Hamburg zu bekämpfen, geht hier ins Leere. 31 Häuser, die der Stadt gehören, bleiben als Ruinen stehen und es gibt nach so langer Zeit noch nicht einmal eine konkrete Planung für einen Neubau. Da erscheint der Hinweis auf laufende Dialoggespräche wie eine Endlosschleife.“ ag