130515BelegHarburg –  Selbst im Wasserschutzgebiet Süderelbmarsch/Harburger Berge bleiben Umweltsauereien ungesühnt, die Täter müssen nur dreist genug sein. Und die Politik

schaut bisher tatenlos zu. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Inneres, Bürgerservice und Verkehr hat sie wieder einmal eine Gelegenheit verpasst, nachzufragen und den Druck auf die Täter zu erhöhen.

 

Auf der Tagesordnung stand der Monatsbericht des Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD). Er hatte in den vergangenen Wochen 53 illegale Müllablagerungen auf öffentlichem und privatem Grund registriert, in 35 Fällen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Mit dieser Auskunft gaben sich die Mitglieder des Ausschusses zufrieden. Niemand interessierte sich zum Beispiel für die Ergebnisse dieser Verfahren. Führen sie wirklich zum Erfolg?

Harburg-aktuell hat nachgefragt. Genaue Zahlen gab es so aber auch nicht. Bezirksamtsprecherin Beatrice Göhring: „Der Aufwand wäre zu groß, bei jedem einzelnen Verfahren das Ergebnis herauszufinden.“

Nach Schätzungen von Marion Raufeisen vom Harburger Fachamt Management des Öffentlichen Raums liege die Erfolgsquote bei etwa 80 Prozent. Andersherum: Knapp die Hälfte der Umweltsäue kommen ohne ein Bußgeld davon – weil es entweder keinen verräterischen Hinweis gibt oder weil sie ganz dreist die Schuld mit einer abenteuerlichen Geschichte auf andere schieben.

So geschehen im Wasserschutzgebiet an der Kuhtrift. Wie berichtet waren dort gegenüber von der Sprayerwand zweimal größere Ladungen Lebensmittelreste, Getränkedosen und Küchengeräte abgelagert worden. Zwischen all dem Müll diverse Lieferscheine, Speisekarten und andere Schriftstücke – außerdem ein altes Faxgerät samt Absenderkennung. In allen Fällen war die Herkunft klar, alles deutete auf eine Shisha-Bar in Wilhelmsburg hin. Selbst als die Stadtreinigung den Müll auf Kosten des privaten Waldbesitzers abfahren wollte, fanden sich  im tiefsten Gammeldreck noch weitere Schriftstücke mit eindeutiger Herkunft.

Trotzdem kamen die Betreiber der Bar mit ihrer Behauptung durch, da habe ihnen ein Gast übel mitspielen wollen und die Hinweise absichtlich in den Müll gesteckt. Wenn das stimmt müsste dieser Gast über Monate allerlei Lieferscheine gesammelt haben, er müsste sich auch das alte Faxgerät besorgt haben. Und er müsste sich auch die Hände gründlich schmutzig gemacht haben und die Hinweise ganz nach unten in den Gammeldreck gesteckt haben. Das stinkt doch zum Himmel!

Mitte April teilte Marion Raufeisen noch mit: „Wir ermitteln weiter.“ Jetzt hat harburg-aktuell auf Nachfrage erfahren, dass die Ermittlungen ergebnislos eingestellt worden sind. ag