130208FiedlerHarburg - Eigentlich war das alles nicht neu, was Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, Baudezernent Jörg Penner, Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss

und Künstler Mentor Ejupi, besser bekannt unter „Toro“, da über die strahlende Zukunft von Harburgs Schmuddeltunnel zwischen Fußgängertunnel und Seevepassage erzählten.

Dass er nun aufgepeppt und mit einer Wohlfühl-Beleuchtung bestückt werde. Und dass Toro den Gang durch den Tunnel mit einer Kunstgalerie und einem Bündel von Kunstaktionen verschönern will.

Und doch war vieles anders. Zum Beispiel hatten Völsch & Co. in die alte Phoenix-Kantine geladen, im sechsten Stock des Verwaltungsgebäudes vis-à-vis vom Harburger Bahnhof gelegen und durch einen knarrenden Paternoster zu erreichen. „Hier war ich noch nie“, staunten dann auch die meisten der Gäste.

Ungewöhnlich waren auch die bunten, zusammengehefteten Pappen, jeweils mit auf den ersten Blick nicht unbedingt zu deutenden Symbolen bemalt. Die Pappen stellten sich schließlich als Requisiten für eine Aktion heraus, die in Harburg bisher auch nur selten zu erleben war: Die Gäste fanden sich in einer Art fundraising wieder, also dem Versuch, ihnen für die Kunst im Tunnel Sachspenden, Unterstützungen aller Art und „zur Not“ auch ein paar Euro zu entlocken.

Bis auf den ungewöhnlichen Ort und die in Harburg noch wenig bekannte Art, materielle Unterstützung für ein eher sinnliches Projekt einzusammeln, also nicht viel Neues. Und doch waren alle gespannt auf den Auftritt eines alten Bekannten. Jobst Fiedler (Foto), von 1984 bis 1990 Bezirksamtsleiter in Harburg, später dann dank seines Charismas als „Elb-Kennedy“ für höhere Aufgaben gehandelt und jetzt als Prof. Fiedler Dozent an der Hertie School of Governance in Berlin. Völsch hatte Fiedler eingeladen, und der freute sich spürbar über den Ruf aus seiner alten Wirkungsstätte. „ Nach 22 Jahren“, stellte er noch fest.

Über den Gloria-Tunnel konnte Fiedler nicht viel sagen, aber er stellte noch einmal aus seiner Sicht die Anfänge jener Entwicklung dar, die in Harburg heute für viele neue Arbeitsplätze, noch mehr Aufmerksamkeit und attraktives Wohnen am Wasser sorgt. Fiedler war Mitte der 80er-Jahre einer der wichtigsten und aktivsten Impulsgeber. Und sein Fazit aus jener Zeit, gilt heute mehr denn je – nicht nur für den Gloria-Tunnel: „Die Harburger sollten nicht darauf warten, dass die Hamburger etwas für sie tun. Wenn die Harburger etwas bewegen wollen, müssen sie es selbst tun.“

Unbedingt erwähnt werden muss noch Karlotta Mix, Preisträgerin bei „Jugend musiziert“, die in der „Elegie für Violoncello und Klavier“ von Gabriel Fauré das Klavier nicht vermissen und die Gäste in der Phoenix-Kantine minutenlang verstummen ließ. ag