121218abschiebWilhelmsburg - Er will sein Abitur machen, spielt in der HSV-Jugend Fußball und hat viele Freunde gefunden und gilt für viele als "Vorzeige-Migrant". Trotzdem soll Ayodele M. abgeschoben werden. Die Duldung des 18-Jährigen

soll nicht verlängert werden. Für die Behörde ist die Sache eindeutig: Ayodele muss zurück nach Nigeria.

Im Mai 2010 kam Ayodele nach Deutschland. Sein Vater lebt seit 15 Jahren in hier. Der Schüler aus Wilhelmsburg hat hier vier Geschwister, die auch zum Teil hier geboren sind. Ayodele war seiner Familie gefolgt. Ohne Pass und ohne Visum. Seine Duldung wurde immer wieder verlängert, nun aber ist Ayodele volljährig und die Duldung ist nur noch bis Mitte Januar gültig. Danach verlängert die Behörde sie nicht mehr und Ayodele muss zurück in sein Heimatland. „Ich weiß nicht, von wo ich in Nigeria wieder anfangen soll. Ich habe da so gut wie nichts“, sagt er.

 

Der Vater hielt den drohenden Ablauf der Duldung lange geheim und erzählte Ayodele nichts davon. Zu groß war die Angst, dass er zu traurig werden könnte. Ayodele ging mit dem Problem zu seinem Lehrer und suchte nach einer Lösung.

Als die Klasse davon erfuhr, machten sich sofort für ihn stark. Ein Klassenkamerad eröffnete schon am gleichen Tag eine Seite auf Facebook. „Gegen die Abschiebung von Ayodele M.“ heißt es im Titel. Fünf Tage später klickten bereits 10.000 Nutzer auf „Gefällt mir“. In den Kommentaren ließt man Sätze wie: „Wir stehen hinter dir“ oder „Kein Mensch ist illegal“.

Sogar HSV-Profispieler Dennis Aogo teilte die Seite und sucht Unterstützung bei seinen Usern. Am Montagmittag versammelten sich mehrere Schüler und Lehrer vor seiner Schule, um Solidarität zu zeigen. Auf den Plakaten steht: „Schule ohne Rassismus – Ayodele bleibt mit uns". All dies überraschte Ayodele sehr. „Ich bin richtig glücklich darüber und freue mich sehr“, sagt er. So richtig will man ihm nicht glauben. Die Angst und Verzweiflung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Ayodeles Noten sind gut, er ist auf dem besten Weg zum Abitur. Er geht in die 11. Klasse der Nelson-Mandela-Schule in Wilhelmsburg. Wenn es gut läuft, hat er das Abitur in zweieinhalb Jahren in der Tasche. „Ich möchte Maschienenbau-Ingenieur werden. In Nigeria musste ich in der Kfz-Werkstatt von meinem Onkel arbeiten, deshalb habe ich etwas Erfahrung in dieser Richtung sammeln können.“ sagt Ayodele.

Bald könnten seine Träume und Ziele aber platzen. „Wir werden dies in jedem Fall verhindern“, sagt Kaan Koclu, ein guter Freund und zu dem Ersteller der Facebook-Seite. Ob die Behörde da mitmacht, wird sich erst im Januar zeigen. Ayodele sagt jedenfalls: „Ich bete jeden Tag dafür, dass ich hier bei meiner Familie und meinen Freunden bleiben darf.“ mügü