121112GedenkenHarburg - Mit Kranzniederlegungen an der Gedenkstätte für die zerstörte Harburger Synagoge endeten am Wochenende eine Reihe von Veranstaltungen gegen das Vergessen der Verbrechen des Nazi-Regimes. Besonders

eindrucksvoll: das „Zeitzeugengespräch“ mit Prof. Dr. Dagmar Lieblová.

Den mehr als 180 Gästen – darunter viele Schüler – im Großen Sitzungssaal des Harburger Rathauses berichtete sie von ihrer unbeschwerten Kindheit in Kutna Horá (Nordböhmen), über das Ende der tschechischen Republik und von den ungeheuren Verbrechen in Theresienstadt, Auschwitz, Hamburg und Bergen-Belsen.

Bezirksamtsleiter Thomas Völsch: „65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Zahl derer, die die Gräuel des Naziregimes noch selbst erleben mussten, immer kleiner. Zeitzeugen werden immer seltener.“ Deshalb sei es eine große Ehre gewesen. Prof. Lieblová empfangen zu dürfen.

 

Die Familie von Dagmar Lieblová war 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Nach einer Selektion durch den berüchtigten KZ-Arzt Dr. Mengele wurden ihre Eltern und ihre jüngere Schwester in die Gaskammern getrieben, sie selbst wurde als 15-Jährige zum Arbeitseinsatz nach Deutschland gebracht. Im Sommer 1944 musste sie vorübergehend im KZ-Außenlager am Falkenbergsweg in Neugraben arbeiten.

„Die Jüngeren haben die Verbrechen der Nazis nicht zu verantworten. Aber sie stehen in der Verantwortung, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen“, sagte Manfred Schulz, Vorsitzender der Bezirksversammlung Harburg, bei der „Kundgebung gegen das Vergessen“, zu der die Initiative Gedenken Harburg zum Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg eingeladen hatte. Hier hatten 1938 in Harburg die Ausschreitungen in der Reichspogromnacht 1938 begonnen. ag