121102BuxteHarburg - Viel Lärm um nichts? Am 25. Juni 2002, also vor gut zehn Jahren, hatte die Europäische Union einen Beschluss gefasst, der ihren Bürgern wirklich einmal gut tun könnte: Vor allem in Ballungsräumen wie Hamburg

sollten bis 2008 „Lärmaktionspläne“ aufgestellt werden, mit denen wenigstens die schlimmsten gesundheitsschädigenden Lärmquellen im öffentlichen Raum gedämpft werden sollten.

 

Dass sich der Hamburger Lärmaktionsplan um vier Jahre verzögert hat, ist noch hinnehmbar. Der Aufwand war enorm: Neben Behördenmitarbeitern und Gutachtern waren auch die Betroffenen selbst eingespannt. In mehreren Lärmforen brachten 900 Bürger mehr als 800 Anregungen zur Lärmminderung vor.

Was aber am Ende zum Beispiel für den Bezirk Harburg herauskam, muss einfach enttäuschend sein. Eine Erklärung liefert das Dresdener „Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und –systeme“, das im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt den Entwurf eines Lärmaktionsplans vorgelegt hat, gleich mit: Auf Grund der sehr begrenzt zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen sollten sich diese Maßnahmen auf die höchstbelasteten Brennpunkte konzentrieren.“ Zugespitzt formuliert: Da die Stadt kein Geld hat, müssen ihre Bürger Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit durch Verkehrslärm  auf Dauer hinnehmen.

Die Gutachter empfehlen also, sich in Harburg auf drei Punkte zu konzentrieren: die Winsener Straße zwischen Stadtautobahn und Jägerstraße, den Bereich Moorstraße/Krummholzberg zwischen Hannoverscher Straße und Bremer Straße sowie die Buxtehuder Straße zwischen Seehafenbrücke und Lidl-Markt. In die engere Wahl waren noch die Eißendorfer Straße zwischen Knoopstraße und Weusthoffstraße und die Harburger Schloßstraße zwischen Karnapp und Kanalplatz gekommen. Aber man musste sich ja – siehe oben –  auf höchstbelastete Brennpunkte konzentrieren.

Für die ausgewählten Brennpunkte werden nun kleinere Maßnahmen empfohlen, die den Lärm um einige wenige Dezibel, aber immerhin spürbar verringern. So könnte es in der Winsener Straße neue Fenster und Flüsterasphalt geben, vielleicht könnte auch eine Fahrbahn nur noch für Busse und Radfahrer zugelassen werden und es könnte dort auch Tempo 30 angeordnet werden. Jedenfalls aus Sicht der Gutachter. Da ist Tempo 30 in der Moorstraße und im Krummholzberg schon wahrscheinlicher. Für die Buxtehuder Straße schließlich schlagen die Gutachter Flüsterasphalt und verstärkte Geschwindigkeitskontrollen vor.

Andere Harburger Lärm-Brennpunkte wie die Bremer Straße oder der Karnapp werden in dem Lärmaktionsplan nicht einmal erwähnt. ag