121030PhZHarburg - Mehrere Jugendliche geraten in Streit, werden laut, mitten im Phoenix-Center. Viele Leute bleiben sehen, einige setzen sich, darunter Stephan Lehmann, Schlagzeuger von Torfrock, und Bezirksamtsleiter Thomas Völsch.

Sie greifen aber nicht ein. Keine Sorge: Das war alles nur gespielt. Die Kids haben sich nicht wirklich gestritten.

Und Stephan Lehmann war nur zufällig vorbeigekommen, um vor einem dreiwöchigen Urlaub in Kalifornien noch letzte Einkäufe zu machen. Thomas Völsch dagegen war extra gekommen, um Dieter Lünse vom Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation, kurz: „ikm“ zu unterstützen.

Seit sieben Jahren schon koordiniert Lünse das „Stadtteilgespräch Gewaltprävention“, an dem fast alle Kinder und Jugendliche aus den Stadtteilen Langenbek, Rönneburg, Sinstorf und Marmstorf teilnehmen. Inzwischen sind sie Experten, wenn es darum geht Meinungsverschiedenheiten ohne Riesenkrach und vor allem ohne Gewalt auszufechten.

Dass sie bestimmte Verhaltensmuster nicht nur eingeübt haben, bewiesen sie im Phoenix-Center, als sie zunächst eine Gewaltszene spielten, diese dann aber im Gespräch analysierten und auch Völsch in eine Diskussion verwickelten.

„In Harburg gibt es eine ganze Reihe von Akteuren, die sich mit der Prävention von Konflikten und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen“, sagt Koordinator Dieter Lünse. „Diese Kräfte haben wir gebündelt. Und sehen darin eine große Chance, noch umfangreichere Projekte zu organisieren.“ Der Süden Hamburgs sei damit ein leuchtendes Beispiel dafür, wie aus einem Fachgespräch ein ganzheitliches Konzept entstehen kann, an dem sich Kinder, Jugendliche, Eltern, Fachkräfte und Bürger beteiligen.

Bezirksamtsleiter Völsch zu dem Projekt, das in diesem Jahr unter dem Motto „Harburg achtet sich“ läuft: „Ich kann allen Beteiligten nur gratulieren. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität in Harburg.“ Und Drummer Lehmann staunte: „Echt cool, was die Kids auf die Beine stellen.“ Ag