121016AbrigadoHarburg - Manchmal kommen nur 80, gelegentlich aber auch bis zu 170 Drogensüchtige in den Schwarzenbergpark. Ihr Ziel: das Abrigado am Rand der Grünanlage, zwischen jüdischem Friedhof und Bissing-Denkmal. In dem „Gesundheitsraum“

können sie sich unter sauberen Bedingungen ihre Spritze setzen, hier bekommen sie Hilfe, hier können sie sich anderen Süchtigen austauschen. Allerdings: Das Abrigado ist viel zu klein. Verwaltung, Beratung, Treffpunkt, alles geht ineinander über. Das soll sich ändern. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr.

 

„Wir haben mit vier Senatoren verhandelt“, sagt Norbert Dworsky, Geschäftsführer vom „Freiraum Hamburg e.V.“, dem Träger des Abrigado. „Und uns tatsächlich das Geld für einen Umbau besorgt.“ Es seien 600.000 Euro zusammengekommen. Mit Erlaubnis des Bezirksamts werde das ehemalige Gartenbauamt umgebaut. Geplant ist, die Garage abzureißen, dafür auf das Hauptgebäude ein Stockwerk draufzusetzen. Dworsky: „Das hört sich dramatischer an, als es wirklich ist. De facto wird das neue Gebäude nur einen Meter höher als das jetzige.“ Auf jeden Fall könne der Betrieb im Abrigado dadurch entzerrt werden, das komme den Junkies zugute.

Harburgs Sozialdezernent Holger Stuhlmann begrüßt die Pläne: „Das Abrigado hat dazu beigetragen, dass wir in Harburg keine offene Drogenszene haben.“

Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass es immer so bleibt. Auch in der Drogenszene gibt es wechselnde „Moden“. So sind zum Beispiel zurzeit besonders stark die Russen vertreten. Sie bevorzugen Heroin, dazu auch noch Wodka. Unter Jugendlichen sind dagegen Amphetamine und Halluzinogene „in“. Voller Sorgen blickt Dworsky zudem auf die Entwicklung in Osteuropa: „Mit den Grenzöffnungen von Rumänien und Bulgarien schwappt noch eine Riesenwelle auf uns zu.“ ag