120921KaufhauskanalHarburg - Jetzt müssten die IBA-Kritiker eigentlich verstummen: Der Sprung über die Elbe war nicht zu kurz angesetzt. Er hat offenbar auch noch die Kraft, nach einer gewaltigen Zwischenlandung in der Wilhelmsburger Mitte in Harburgs neuem Süderelbe-Quartier nachhaltige städtebauliche Akzente zu setzen. Erst die „Marina auf der Schlossinsel“, dann der „Park auf der Schlossinsel“ und das „Quartier am Park“ – und jetzt gibt es endlich auch einen Investor für das Projekt „Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal“.

Das Hamburger Unternehmen Behrendt Wohnungsbau KG wagt nicht nur den Sprung über die Elbe, es wagt sich auch an ein nicht ganz einfaches Projekt und baut auf dem städtischen Grundstück zwischen Harburger Schloßstraße und Kaufhauskanal ab Mitte 2013 in zwei Abschnitten insgesamt 130 Wohnungen, die ersten 60 sollen schon 2014 fertig sein. Tatsächlich hatte sich im ersten Anlauf nur ein einziger Interessent gemeldet, und er wollte sich auch nur mit große Abstrichen an die spektakulären Entwürfe der weltweit renommierten Architekten der Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen und der Topotek 1 Landschaftsarchitekten aus Berlin halten. Alles andere ließe sich nicht rechnen, hieß es damals. Hinzu kam die durchaus prekäre Lage zwischen Eisenbahn und Industrie, dazu noch auf historisch wertvollstem Areal, wo die Archäologen nur darauf lauerten, endlich zum Spaten greifen zu dürfen.

Das alles sieht ein mutiger Unternehmer aber positiv. Die idyllische Lage am Kaufhauskanal und die Nachbarschaft zum channel hamburg vis à vis der Harburger Altstadt begeistern uns“, sagt Investor Dr. Jan Behrendt. Mit ihrem schachbrettartigen städtebaulichen Entwurf und ihrer skulpturalen Formensprache gelinge es den dänischen Architekten, die Nachbarschaft der alten, windschiefen und denkmalgeschützten Fachwerkhäuser auf beeindruckende Weise neu zu interpretieren und den traditionsreichen und aufstrebenden Harburger Binnenhafen um eine weitere Attraktion zu bereichern.

Uli Hellweg, Geschäftsführer der IBA Hamburg, freut sich natürlich, dass eines der spektakulärsten Projekte der Bauausstellung „trotz der widrigen Rahmenbedingungen“ doch noch realisiert werden kann: „Mein besonderer Dank geht dabei ans Helms-Museum, aber auch an das Immobilienmanagement der Finanzbehörde, an die Behörde für Stadtentwicklung und an das Bezirksamt. Wir haben gemeinsam viele Stolpersteine aus dem Weg geräumt.“ag