120826HausMoorburg - Die Mitglieder des „ständigen Gesprächskreises Moorburg“ staunten nicht schlecht, als sie die schweren Limousinen auf dem Parkplatz der alten Schule sahen. Der Senat hat das große Besteck aufgefahren: Innensenator

Michael Neumann, Justizsenatorin Jana Schiedeck und Sozialsenator Detlef Scheele, dazu Staatsrat Ralf Kleindiek und Thomas Menzel, Chef des Landeskriminalamts.

Sie brachten den Moorburgern keine gute Nachricht. Wie berichtet sollen die drei Sicherungsverwahrten, die bisher in einem ehemaligen Altenheim in Jenfeld untergebracht waren, zusammen mit ihren Bewachern in ein altes, seit längerem leer stehendes Bauernhaus am Moorburger Elbdeich (westlich der A7) umziehen. In Jenfeld hatte es massive Proteste gegen die neuen Nachbarn gegeben, aktueller Grund für den Umzug soll aber der bevorstehende Abriss des Altenheims sein. Andere Quellen berichten auch von einer Kindertagesstätte in unmittelbarer Nähe als Grund.

"Die zuständigen Behörden haben mehr als ein Dutzend Alternativen nach objektiven Kriterien geprüft", so Urs Tabbert, Fachsprecher Recht der SPD-Bürgerschaftsfraktion. niemand hätte sich die Entscheidung leicht gemacht. Das es keine Beteiligung der Moorburger im Vorwege gab, ist für ihn ok. "Die Standortauswahl für eine solche Unterbringung kann leider nicht per Bürgerbefragung vorgenommen werden", so Tabbert. "Das wäre zum Scheitern verurteilt."

Claudia Kulenkampff vom Elbdeich e.V. , einer „Kulturbewegung für mehr Lebensqualität“, war zunächst erstaunt, „mit welcher Fassung wir Moorburger“ die Nachricht aufgenommen haben. „Das ist ein Zeichen dafür, dass wir hier zusammengewachsen sind und wie wir mit Krisensituationen umgehen“, sagt Kulenkampff. Sie habe aber auch gesehen, dass ältere Menschen zu weinen angefangen haben, als sei gerade das Todesurteil über sie verhängt worden. Wie sie mit der neuen Situation umgehen können, wollen die Moorburger bei einer Bürgerversammlung am 19. September besprechen.

Zurückhaltend äußert sich auch der Moorburger SPD-Bezirksabgeordnete Sören Schinkel. Nach dem Treffen mit den Senatoren war er noch zu einer Sondersitzung der Harburger SPD-Fraktion geeilt. „Es ist wohl klar, dass wir absolut nicht begeistert sind“, sagt Schinkel. Man müsse aber immer bedenken, dass hier nicht über Hafenschlick oder eine Autobahn geredet werde, sondern über Menschen. Das sei ein hochsensibles Thema. Schinkel: „Keine Frage, diese Entscheidung wirft ein negatives Licht auf Moorburg. Wir müssen jetzt aber aufpassen, dass unsere Reaktionen sich noch negativer für Moorburg auswirken.“

Rainer Böhrnsen, bis vor einem Jahr noch Sprecher des Runden Tischs Moorburg/Hohenwisch, kritisiert die Entscheidung des Senats:Alle Bemühungen der Bewohner, den Ort über einen Zeitraum von 30 Jahren, nachdem man übelst mit ihm umgegangen ist, zu stabilisieren und ihm eine Zukunft zu eröffnen, werden mit dieser Entscheidung mit Füßen getreten.“

In die sanierten Häuser seien vor allem Familien mit Kindern aus der Mittelschicht eingezogen. Jetzt werde der Ort zusätzlich stigmatisiert. Und tatsächlich gibt es schon die erste Absage. „Wir wollten nach Moorburg ziehen, das hat sich jetzt erledigt“, sagte eine Mutter. Böhrnsen hält das nicht für eine vorübergehende Erscheinung: „Nach meinen Informationen ist Moorburg als fester Platz für alle Hamburger Fälle von entlassenen ehemaligen Sicherungsverwahrten vorgesehen, wohl auch für die Zukünftigen.“ mz