120720UFER1Binnenhafen – Er wird das Flair des Binnenhafens verändern und auch an der Attraktivität des Kanalplatzes knabbern. Der geplante Schutzzaun, der die Harburger davon abhalten soll stumpf ins Wasser zu plumpsen. Jetzt hat

Bezirksamtsleiter Thomas Völsch angesichts der Kritik Erklärungsbedarf. „Es gibt auch viele Beispiele für Kaianlagen am Wasser gibt, die nicht durch Geländer gesichert werden“, sagt Völsch. „In der Regel liegen dort aber andere Voraussetzungen vor: Eine geringe Absturzhöhe, geringere Wassertiefe, ständiger Schiffsanlegeverkehr oder sie liegen in ausdrücklich ausgewiesenen Hafengebieten wie  es in Harburg mit dem Binnenhafen der Fall ist. Im Ergebnis kann die Verkehrssicherheit nur durch die Anordnung von Geländern gewährleistet werden.“

 

Vergleichbar der Anleger am Jungfernstieg. Auch er wurde die Fläche vor der Wasserkante hübsch hergerichtet. „Attraktive Aufenthaltsflächen“ heißt das im Amtsdeutsch. Sitzbänke laden zum Verweilen. Ein Geländer findet man nicht. „Am Jungfernstieg gibt es aufgrund der geringen Absturzhöhe keine Sicherung“, weiß Völsch. Es geht um Zentimeter. 1,35 Meter ist laut Bezirksamt die Absturzhöhe am Kanalplatz. Am Anleger am Jungfernstieg beträgt sie gut ein Meter. Stehen kann man dort, wie am Kanalplatz, laut Wasserschutzpolizei nicht. Die Probleme wären bei einem Sturz ins Wasser die gleichen.  Hat man nicht die Proportionen eines Orang-Utans wird es schwer sein, sich mit durchschnittlichen menschlichen Armlängen dort aus dem Wasser hochzuziehen. Am Kanalplatz finden sich immerhin mehrere Leitern, über die man aus dem Wasser klettern kann. Der Unterschied: Während in Harburg vor allem hanseatisch heimisches Publikum durch einem Zaun geschützt werden soll, tummeln sich am Jungfernstieg gern Touristen aus aller Welt, denen man offensichtlich mehr Kompetenz im Umgang mit Kanten am Wasser zugesteht. Die Situation an der Wasserseite ist ansatzweise vergleichbar. Freie Liegeplätze soll es am Kanalplatz geben. Das bedeutet Schiffsverkehr. An der Alster dürfte der wegen der ständigen Fahrten der Alsterflotte natürlich deutlich größer sein.
Weitere Zaunsuche an der Binnenalster: Der Ballindamm hat einen. Der Neue Jungfernstieg auch. Erreicht man dessen Ende Richtung Lombardsbrücke, beginnt wieder das Leben in Gefahr. Auf der Freifläche steht 120720Ufer3120720Ufer2die Skulptur „Windbraut“ von Hans Martin Ruwoldt. Die Plastik muss auf Völsch wirken, wie der Köder in einer Falle. Nah an der zaunlosen, deutlich mehr als ein Meter hohen Absturzkante platziert, lockt sie Besucher. Treppen führen direkt dorthin. Sitzbänke gaukeln Sicherheit vor. Perfide: Das erklärende Schild, das den Kunstinteressierten wie das Licht die Motte anlockt, ist direkt am Rand der Absturzkante im Boden angebracht. Nur nach vorn geneigt, direkt am Abgrund, kann man es lesen.

In Harburg wird es diese Gefahr nicht geben. Im letzten Jahr gab es eine "eingehende Beurteilung der Situation", heißt es vom Bezirksamt. Wie die Lösung aussehen wird, ist bereits klar. „Zur Berücksichtigung der Liegeplatzsituation soll zwischen Geländer und Kaikante ein Abstand von ca. 1,50 m eingehalten werden. Dieser Bereich ist mittels mehrerer kettengesicherter Durchgänge von 75 Zentimeter Breite, die jeweils an den Steigeleitern angeordnet werden, zu erreichen. Zusätzlich werden nach Abschluss der Bauarbeiten dort auch Rettungsringe angebracht.“ Kleiner Trost. Laut Völsch wird es kein "Bretterzaun". zv