120714Haltestelle2Harburg – Schick sehen sie aus, die neuen Fahrgastunterstände, die der HVV am Harburger Ring aufstellen lässt. Sie sind auch von einen Star-Architekten designt worden. Doch sie haben einen Fehler. Das findet Manfred von Alven (Foto).

Einige der integrierten Sitzbänke sind jetzt zu hoch. Die Tücke liegt im Gefälle. Der Harburger Ring verläuft abschüssig. Früher waren die Sitzbänke im Boden verankert. So hatte jede120714Haltestelle3 Sitzgelegenheit (Foto r.) die richtige Höhe. Jetzt sind die Bänke an den Verstrebungen der Haltestellenhäuschen montiert. Die Folge: Durch die abschüssig verlaufende Straße sind einige so hoch, dass man nicht mehr mit den Füßen auf den Boden kommt. „Unmöglich“, findet das von Alven. „Gerade für ältere Menschen oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen ist das schlecht.“ Er selbst hat zwei kaputte Bandscheiben. „Das Sitzen ist unangenehm. Entweder hängen die Beine in der Luft oder man sitzt so weit vorn, dass man nur mit dem halben Po auf der Sitzfläche sitzt. Beides verursacht mir Probleme.“ Auch die neuen seitlichen Mini-Lehnen findet er überflüssig. „Auf den alten Bänken waren keine. Da konnten auch mal drei Leute drauf sitzen, weil man seitlich mehr Platz hatte. Auf den neuen Bänken kann man nur noch mit drei Personen sitzen, wenn man sich zusammenquetscht. Das macht doch niemand.“

 

Unterstützung bekommt er in seiner Einschätzung von Klaus und Ursula Braun aus Heimfeld, die 120714HaltestelleLregelmäßig mit dem Bus fahren. „Toll ist das nicht“, sagt die 75-Jährige. „Ich musste auf die Bank raufjumpen. Für ältere oder kleinere Menschen ist das nicht geeignet.“

Die neuen Unterstände wurden von dem Architekten André Poitiers für das Unternehmen JCDecaux entworfen, das seit 1982 der Außenwerbepartner Hamburgs ist. Im Januar 2010 wurde der erste der neuen Fahrgastunterstände in der Hafencity aufgestellt. „Hamburgs Architektur ist klar und unaufdringlich, klassisch und dennoch zeitgemäß, pragmatisch, aber nicht simpel. Meine Bushaltestellen lassen historischen Gebäuden und Plätzen den Vorrang. In ihrer Diskretion treffen sie den Geist Hamburgs”, sagte damals André Poitiers zu seinen Entwurf. Insgesamt sind es über 2000 „Design-Fahrgastunterstände“, die ersetzt werden. Jetzt sind die Haltestellen am Harburger Ring dran. Ende 2013 soll das Erneuerungsprogramm abgeschlossen sein.

Die Kosten pro Haltestelle betragen rund 12.500 Euro. Refinanziert wird die Investition durch Werbeeinnahmen. Die Seitenwände bestehen aus Reklametafeln. Bevor ein neuer Unterstand aufgestellt wird, sind die Behörden dran. Die überprüfen und genehmigen jedes einzelne Wartenhäuschen. Das die Straße abschüssig ist, daran hatte offenbar niemand gedacht. zv