111026KaserneFischbek - Die Initiatoren des geplanten Bürgerbegehrens gegen die verdichtete Bebauung des Röttiger-Kasernengeländes können sich die Hände reiben. Eine Senatsdrucksache, die dem Bezirksamt schon seit einer Woche vorliegt, sorgt nämlich für neuen Zündstoff. Demnach möchte die Finanzbehörde möglichst viele der noch vorhandenen 1.500 Bäume fällen, um das Gelände in Ruhe nach Blindgängern und anderen Munitionsresten zu sondieren.

 

CDU, GAL und FDP, die das Bürgerbegehren unterstützen, haben sich sofort darauf geeinigt, das Bürgerbegehren um eine weitere Forderung zu ergänzen: Bisher sollten nur Unterschriften gegen mehr als 450 Wohneinheiten und für den Erhalt der Uwe-Seeler-Sportanlage gesammelt werden. Jetzt wird auch der Erhalt möglichst vieler Bäume gefordert.

„Es ist unglaublich, was hier passiert“, sagt CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer. Erst werde die Zahl der Wohnungen drastisch auf 770 erhöht, dann plane man den totalen Kahlschlag. Fischer: „Ich glaube kaum, dass jemand in einer Gegend ohne Bäume leben möchte. Dann kann man doch gleich in der Sahara bauen.“

Starke Worte findet auch der Harburger FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Kurt Duwe: Das wäre neben dem ökologischen Desaster eine weitere erhebliche Standortverschlechterung für den geplanten Wohnungsbau.“ Falls Finanzsenator Peter Tschentscher sich nicht einen Ruf als „Kettensäger-Tschentscher“ erwerben will, sollte er seine Mitarbeiter anweisen intelligentere Methoden der Kampfmittelsondierung vorzusehen.

Und dann äußern Fischer, Duwe und auch Grünen-Fraktionschef Ronald Preuß einen ganz üblen Verdacht: Die Bäume sollen nicht nur wegen der Kampfmittelsondierung gefällt werden, vielmehr wolle die Finanzbehörde noch mehr Wohnungen hineinquetschen. Duwe: „Sozusagen Mietskasernen auf einem alten Kasernengelände.“

Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, versteht die Aufregung nicht: „Im Einvernehmen“ mit dem Bezirk sollen auf dem Röttiger-Gelände 770 Wohneinheiten und unter anderem ein Kita entstehen. Stricker: „Da gebietet es die Sorgfaltspflicht gegenüber der Öffentlichkeit und den späteren Bewohnern, so intensiv und genau wie möglich auf Kampfmittel und Blindgänger zu sondieren. Das gesamte Gelände der Röttiger-Kaserne ist Blindgängerverdachtsfläche.“ Keineswegs wolle die Finanzbehörde von vornherein alle noch stehenden Bäume pauschal fällen lassen. Die Erfahrung zeige jedoch – zuletzt bei den Sondierungsmaßnahmen auf dem Kasernengelände Jenfelder Au, wo unter bestehenden Baumreihen Blindgänger gefunden wurden – dass Sondierungsmaßnahmen und Kampfmittelräumungen nicht ohne Fällungen auskommen. „Die Finanzbehörde ist immer bestrebt, übrigens auch aus Vermarktungsgründen, so wenig Baumbestand wie möglich fällen zu müssen“, sagt Stricker.

Auf die Frage von harburg-aktuell, welche Mehrkosten entstehen würden, wenn eine die Bäume schonendere Sondierung durchgeführt wird und in welchem Umfang neue Bäume gepflanzt werden sollen, ist Stricker nicht eingegangen. Nur so viel hat er noch verraten: Die Bäume sollen nicht während der aktuellen Wachstumsperiode gefällt werden.

Muammer Kazanci (SPD), Vorsitzender des Harburger Stadtplanungsausschusses, äußert in einer ersten Stellungnahme Verständnis für die geplanten Baumfällungen. Die Situation auf dem Kasernengelände sei kompliziert, weil die Rohrleitungen unter den öffentlichen Wegen verlegt worden seien. Das erschwere die Sondierungen erheblich. mz